Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1782)
Entstehung
Seite
158
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158 ?.TH. r.Abschtt. Bildung der Wörter.

im Hochdeutschen ist in einigen Bedeutungen rauchfür rauh üblich.

Mit mehrerm Rechte wird es als ein bloßesDehnungszeichen angesehen, wenn es den vier flüs-sigen einfachen Hülsslauten l, m, n und r vorgesetzetwird, die Dehnung des vorher gehenden VocaleSzu bezeichnen: Ahle, fahl, Gemahl, das Mahl,kahl, Stahl, Strahl, VVahl, Zahl, buhlen,hohl, Öhl, kühl, fühlen; lahm, zahm, Dhm,Ahm, Ruhm, nehmen, ahmen; ahnden, Ah-nen, Bahn, Fahne, Huhn, Rrahn, mahnen,Lohn, Sohn, Bühne, Mähne; Bahre, roahr,fahren, bewahren, Fahrt, Jahr, Ehre, keh-ren, mehr, sehr, C>hr, lehren, Mohre, Ähre,und so ferner.

Dieses Verlangerungs h, welches bloß denHoch- und Oberdeutschen eigen ist, und weder beyden Niederdeutschen, noch den verwandten Völker-schaften angetroffen wird, war den altern Deutschen unbekannt, und fängt erst im fünfzehnten und sech-zehnten Jahrhunderte an, obgleich anfänglich nurnoch sehr sparsam, sich zu zeigen. In der zweytenHälfte des sechzehnten, da man immer mehr anfing,sich der grammatischen Richtigkeit zu befleißigen,ward es immer häufiger, bis es endlich im siebzehn-ten allgemein ward. Allein freylich nicht so allge-mein, daß man es den jetzt gedachten flüssigen Haupt-lauten in allen Fällen nach einem gedehnten HülfS-laute vorgefetzt hätte, denn es blieb immer noch fastdie Hälfte der Wörter übrig, wo der gedehnte Hülfs-laut vor einem flüssigen Hauptlaute kein h aufzuwei-sen hat : Aar, Nrone, Blume, bequem, gar.

Gram,