Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1782)
Entstehung
Seite
184
Einzelbild herunterladen
 

,84 I.TH. l.Abschn. Bildung der Wörter.

Wunder gehäufet werden sollen. Als Thier hattedieser Sohn der Natur das Vermögen der willkühr-lichcn Bewegung, und auch ohne klare Begriffe in-stinctmäßig für seineNahrung zu sorgen; aber nochmehr als Thier hatte er auch das Vermögen, Spra-che zu erfinden, und dadurch den in ihm liegendenKeim zur Vernunft thätig zu machen und zu ent-wickeln. Ohne Anlage zur Erkenntniß findet keineSprache, aber ohne Sprache auch keine deutlicheErkenntniß Statt. Beyde gehen in gleichen Schrit-ten neben einander und bilden sich wechselsweise aus.Aber eben dieses macht die Untersuchung des Ur-sprunges der Sprache so schwer, weil dem in derso sehr verfeinerten bürgerlichen Gesellschaft erzoge-nen Menschen überaus schwer fallt, sich in die Lagedes noch ganz sinnlichen Naturmenschen zu verse-tzen, und auch nur wahrscheinlich zu bestimmen,wie derselbe die Gegenstände außer sich empfunden,und welchen Gang seine noch nnausgebildete Seelegenommen, wenn sie ihre Vorstellungen davon hör-bar machen wollte. Der erste Anfang der Cultur,sowohl des einzelen Menschen, als des ganzen Ge-schlechts, fällt immer in den Zeitpunct der dunkelnVorstellungen. So wenig wir uns jetzt auf die Ent-wickelung unserer Begriffe in der Kindheit besinnenkönnen, so wenig wissen wir auch historisch von derersten Ausbilduug unsers Geschlechts. Fabel undAllegorie gehen daher überall vor der wahren Ge-schichte voraus, erfordern aber schon einige Cultur,so wie .sich unsere Geisteskräfte schon bis zu einemgewissen Grade entwickelt haben müssen, wenn wiruns unserer Kindheit in spätern Iahren, wie imTraume, erinnern wollen. Ein Volk hat dahervon diesem Stufengange seiner Ausbildung undErkenntniß nichts weiter, als die rohen Bestand-theile