2. Kap. Ursprung der Sprache. §. 5z. 185
theile seiner Wörter auszuweisen, wenn eS andersso glücklich gewesen ist, seine Sprache von seinemUrsprünge an rein und unverfälscht zu erhalten.Die Deutsche Sprache ist eine von diesen wenigen;wenigstens ist sie, seitdem die Germanen die Uferdes Schwarzen und Caspischen Meeres verlassenhaben, mit keiner andern vermischt worden, dahersie eine der geschicktesten ist, die ersten Keime unsererErkenntniß in derselben aufzusuchen.
§. 5z. Wenn man die Wörter der Deutschen Einige ErSprache nur nach ihrer äußern Gestalt betrachtet, fabruugs-so zeiget sich schon eine sehr merkliche Verschieden- Sc-heit unter ihnen. Einige sind einsylbig, anderezwey-und mehrsylbig. Die einsylbigen sind oftsehr einfach, und bestehen aus einem einigen Haupteund einem HülfS- oder Doppellaute, der sich entwe-weder vorn oder hinten anfügt: ob, ab, an, du,da, es, in; oft gesellet sich zu diesem ersten Haupr-laute, entweder vorn oder hinten, noch ein anderer:blau, frey, froh, acht, die Achs,, alt, Erz; an-dere bestehen aus zwey Hauptlauten, mit einemHülfslaute in der Mitte: Bär, bar, Bach, Haus,bis, gar; noch andere nehmen zu diesen zweyHauptlauten entweder vorn oder am Ende, oder anbeyden Orten zugleich, noch einen Hauptlaut au, undsind alsdann, besonders in dem letztern Falle, aufdas genaueste bestimmt. Vorne: blaß, bleich,blöd, Blut, flach, frech-, Arieg; oder hinten:Balg, bald, Bart, Berg, Fels, fest, Gold,ganz; oder an beyden Stellen zugleich: Aranz,L>Iirz, Pfalz, Brust, Glanz, glatt, Rrampf,Zxraft, Gruft.
Die mehrsylbigen Wörter sind entweder offen-bar aus zweyen Wörtern zusammen gesebt, Gold-
M 5 staub,