Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1782)
Entstehung
Seite
189
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2. Kap. Ursprung der Sprache. §.5?. 189

Die Erfahrung lehret uns, daß Kinder, wennsich die Aufmerksamkeit bey ihnen anfangt zu ent-wickeln, und Menschen, die durch die Culrur nochnicht verfeinert sind, einen natürlichen und unwider-stehlichen Drang haben, alle ihnen vorkommendeneue Gegenstände nach dem Tone zu bezeichnen, mitwelchem sie sich ihnen das erstcmahl darstellen.Das sich selbst überlassene Kind nennt die Kuh2?uh, den kleinen Hund Baff, den großen Hau,u. s. f. Als der Neger am Senegal die ersten Por-tugiesen ein Feuergewehr losschießen hörte, nannteer es Puff, und diesen Nahmen führet es an derganzen westlichen Küste von Afrika noch, obgleichkein Neger weiß, daß auch der Europäer eine AreSchießgewehre, aus ähnlichen Ursachen, Puffernennt. Unter den ^andleuten ist der Hang in Ono-matopöien zu reden desto gemeiner und dringender,je mehr sie sich noch dem rohen Stande der Naturnähern, daher auch die Wörter dieser Art in den ge-meinen Mundarten überaus Zahlreich sind.

Je mehr der Mensch in der Cultur wächst, de-sto mehr entledigt er sich dieser tönenden Wörter,weil er sich dieses rohen und einfachen Ursprungesseiner Sprache und seiner Erkenntniß eben so sehrschämet, als seiner ursprünglichen Nacktheit, under möchte sie gern alle verbannen, wenn sie ihmnicht in tausend Fällen unentbehrlich wären. Dieam unbestimmtesten tönen, gehen dabey, ihrer tö-nenden Bedeutung nach, am ersten verloren, weilsie zu übergetragenen Bedeutungen am geschicktestensind, und daher auch am ersten und häusigsten dazugebraucht werden, z.B. gehen, reden, bervegcn,und taufend andere mehr, deren schon anfänglichunbestimmt tönende Bedeutung nach vielen Jahr-hundert