Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1782)
Entstehung
Seite
191
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2. Kap. Ursprung der Sprache. §. 54. 191

§. 54. Die Sprache bestehet aus XVörtcrn, Wörterund diese sind vernehmliche Ausdrücke unserer Vor- entstehe^stellungen, welche wenigstens klar seyn müssen, wennihre Ausdrücke ihre Absicht erreichen und zu Merk-mahlen dienen sollen. Eine klare Vorstellung ent.siehet aus einer dunkeln, wenn die Seele bey wie- .derhohlter Empfindung der letztem bey derselben ver-weilet, und sich ein Merkmahl von dem empfunde-nen Dinge absondert, an welchem sie es wieder er-kennen kann. Gelingt es ihr nach und nach, diesesMerkmahl noch genauer zu bestimmen, oder andemselben neue Merkmahle auszudrucken, so wirdihre Vorstellung davon deutlich.

So wie nun klare Vorstellungen aus einzelendunkeln entstehen, so entstehen auch die Wörter, alsAusdrücke der erster«, aus den Ausdrücken der dun-keln Empfindungen. Aber wie? Etwa nach will-kührlich gewählten bauten? Gewiß nicht, die Ur-sprünge aller Sprachen und ihr ganzer Bau wider-legen es. Überdieß ist eine Sprache willkührlich er-finden, wie Herr Herder sehr richtig bemerkt, fürdie Seele, noch mehr aber für die Seele eines nochungebildeten ganz sinnlichen Menschen, eine eben sol-che Qual, als für den Leib, sich zu Tode streichelnzu lassen. Zu geschweige, daß Verabredung will-kührlicher Zeichen schon Sprache und deutliche Be-griffe voraus setzt, die doch erst entwickelt und er-funden werden sollen. Oder durch den Drang in-nerer Empfindung? Gut, nur erkläre man erst, wieinnere Empfindung von äußern Gegenständen, ohneein abgesondertes hörbares Merkmahl, je so klarwerden könne, daß sich eine vernehmliche Sprachedarauf bauen ließe. Das ganze Lehrgebäude vonSprache aus innerer Empfindung ist eine Luftblase,die vor dem ersten Taubgebohrnen zerplatzet, der bey

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