2. Kap. Ursprung der Sprache. §.58. 197
Wurzelwortes, den ersten Wurzellaut aus: alt, arg,arm, erz; blau, fro, frü, dro, strc». Oft behieltman, bey fortschreitender Cultur, neben dem genauerbestimmten Ausdrucke auch noch den unbestiminternbey, um ein ähnliches unhörbares Ding, wovonman einen eben fo dunkeln Begriff hatte, damit aus-zudrucken. So waren eb, erv ursprünglich Nach-ahmungen der jaute gleichförmiger langsamer Be-wegungen in die iänge von verschiedener Stärke;als man diese durch rveb-en, rveg-en, bestimm-ter ausdrucken lernte, wurden die ersten ineb-en,und erv-ig Ausdrücke des Gleichförmigen, theilsin der horizontalen Flache, theils in der langenDauer.
§. 58. Wenn nun gleich der erste Versuch der ErsterSprache Nachahmung der tönenden Natur ist, so Grund derfolget daraus noch nicht, daß gerade alle Wurzel- ^A"d^Wörter einer Bedeutung in allen Sprachen gleich- S^che,,.lautend seyn müssen. Sie sind es in der That mehr,als man glaubt, wenn man die Kunst verstehet, dieWörter mehrerer Sprachen in ihre wahren Wur-zeln aufzulösen, und in das Alterrhum jeder Spra-che so hoch hinaufsteigen kann, als hierzu erfordertwird. Besonders findet dieß bey genau bestimmtenWurzelwörtern Statt. Allein, wenn auch die Ver-schiedenheit größer wäre, als sie wirklich ist, so wür-de sich selbige leicht erklären lassen. Denn 1. dieersten jaute des Mundes, womit der noch ungebil-dete Sohn der Natur die Töne der leßtern nachzu-ahmen suchte, waren nothwendig sehr ungeschlacht,rauh und mit mancherley Nebentönen begleitet,weil die begierige Seele gern alles auf einmahl aus-drucken wollte; daher bey noch rohen Völkern dieHäufung der Consonanten. Bey mehr Cultur, alsman die Töne des Mundes auf eine gewisse be-
N z stimmte