2. Kap. Ursprung der Sprache. §.59. 199
wollen. Daß dieser Weg, auf welchem wir ver-mittelst des Sinnes des Gehöres zur vernünftigenErkenntniß gelanget sind, nach Maßgebung unsererFähigkeiten der allervollkommenste und bequemsteist, ist leicht zu erweisen, wenn man ihn mit derje-nigen Erkenntniß vergleicht, welche Taubgebohrnedurch Hülfe der übrigen Sinne erlangen. Allein beydem allen ist er doch, an und für sich betrachtet, äu-ßerst unvollkommen, weil er sich bey einem sehr un-bedeutenden und zufälligen Merkmahle anfängt; undobgleich der Menfch in dem Fortschritte der Culturdieses Merkmahl wieder verläßt, so ist doch dieganze Reihe seiner Vorstellungen so sehr daraufgestimmt, daß sich die Seele überall gefesselt fühlt,so, bald sie sich mit ihren Betrachtungen über dasbloß Sinnliche erheben will. War ihr etwa in dergegenwärtigen Verbindung der Dinge von ihremSchöpfer ihr Wirkungskreis nur in der bloßen Kör-pcrwelt angewiesen? Und war ihr etwa um deßwil-len das Reich des Unsichtbaren schon durch die mög-liche Art ihrer Erkenntniß auf immer verschlossen?
2. Daß die Consonanten oder Hauptlaute derwesentlichste Theil jedes Wortes sind, indem sie al-lein die eigenthümliche Art des Lautes bezeichnen,dagegen die Vocale oder Hülfslaute nur dessen Höheoder Tiefe ausdrucken; ein Saß, der von fast allenSprachlehrern und Philosophen umgekehret wor-den, welche die Vocale für die wesentlichsten Lautehalten, blöß weil sie für sich selbst tönen, welchesaber auch schon viele Consonanten thun. Die älte-sten morgenländischen Völker waren von der min-dern Nothwendigkeit der Hülfslaute schon dunkelüberzeugt, daher sie selbige auch bey ihren erstenVersuchen, mit Buchstaben zu schreiben, nicht mitbezeichneten.
N 4 ?.Daß