Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1782)
Entstehung
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2.Kap. Ursprung der Sprache. §.59.60. 201

man so oft behauptet und wiederhohlet hat, daß Ge-sang und Dichtkunst alter sind, als Prosa.

6. Daß der wahren Wurzelwörter in jederSprache nur wenige sind, im Deutschen ungefähr nur600; warum anders, als weil die merklich unter-schiedenen Naturröne ihre eingeschränkte bestimmteAnzahl haben. Die Buchstaben unsers Alphabe-tes lasten sich, nach Z.eibmzens Berechnung, über620448 Trillionen Mahl versetzen. Würde manbey der ungeheuern Menge von Begriffen, welchedurch Sprache ausgedruckt werden sollen, diesenReichthum wohl unbenutzt gelassen haben, oder nichtnoch jetzt benutzen können, wenn Sprache Ausdruckinnerer Empfindung wäre, oder auf Verabredungwillkührlicher Zeichen beruhete? Warum kann jetztin keiner einzigen bekannten Sprache, aller neuenBegriffe ungeachtet, ein neues Wurzclwort mehrgemacht werden, außer nur in dem Falle, wenn sichein neuer Gegenstand durch einen neuen bisher nochnicht bekannten, oder doch noch nicht zur Spracheangewandten iaur darstellet?

7. Daß daher diese wenigen Wurzellaute vonjedem Volke sehr frühe, und »och lange vor seinereigentlichen Cultur erschöpft werden muffen, daheres bey Erweiterung seiner Vorstellungen seine Zu-flucht zu andern Hülfsmitteln nehmen muß.

§. 60. Da nun diese nachgeahmten Naturlauteeine Absicht hatten, weil das Bedürfniß des gesell- Sprachschaftlichen Umganges sie erpreßte, so mußten sie fiM'>sogleich Merkmahle seyn; aber wovon? Von allem,wovon sie Merkmahle seyn konnten; zunächst derBewegung und der Handlung, welche den nachge-ahmten laut hervor brachte, dann des Dinges, anwelchem man den iaut bemerkt hatte, einer Eigen-

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