Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1782)
Entstehung
Seite
212
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2i2 i.Th.i.Abschn. Bildung der Wörter.

Biegung §. 6z. Bis hierher haben wir den ganzen Reich,und Ablei- thmn menschlicher Begriffe als einen Vorrath bloßWörter^ einzeler Vorstellungen, und die Sprache als eine^ ^' Sammlung einzeler einsylbiger Wurzelwörter be-trachtet, welche durch nichts unter sich verbundenwaren. Allein, da die nächste Absicht der Sprachewar, die äußern Dinge und ihre Verhältnisse gegenden Sprechenden auszudrucken und andern merklichzu machen, so mußten sich die Vorstellungen sehrbald an einander reihen. Der Mensch mußte, beyein wenig Aufmerksamkeit, wenigstens dunkel em-pfinden, daß seine Vorstellungen nicht von einerleyArt waren. Er mußte bemerken, daß einige denZustand des Handelns oder Wirkens, andere dashandelnde Ding, noch andere eine Eigenschaft odereinen Umstand bezeichneten. Dieses aber auch durchLaute auszudrucken, siel dem rohen Naturmenschenanfänglich vermuthlich schwer, daher er seine ein-sylbigen Grundwörter durch Minen und Geberdenverknüpfte, und dadurch seine verbundenen Vorstel-lungen deutlich zu machen suchte. Übung und Auf-merksamkeit lehreten ihn endlich, nicht allein dendunkel empfundenen Unterschied seiner Vorstellun-gen auch an dem einsylbigen Grundworte auszudru-cken, sondern auch Nebenbegriffe und Verhältnissean dasselbe anzuknüpfen, und dadurch nach und nachdie Sprache zu demjenigen zu machen, was sie ih-rer Absicht nach eigentlich seyn sollte, zu einem Mit-tel, eine ganze Reihe zusammen hängender Vorstel-lungen mit allen ihren Nebenbegrissen und Ver-knüpfungen durch vomehmliche Laute zu bezeichnen.

Das konnte nun freylich nicht anders, als nachund nach, nach gleichsam unmerklichen Stufen ge-schehen, wobey der Mensch bey den am meisten her-vor