Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1782)
Entstehung
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2. Kap. Ursprung der Sprache. §. 74. 2zz

Wörter'zu bilden, wenn und wie wir wollen; einBeweis, daß der Gebrauch jeder dieser Laute, in je-dem einzelen Falle bloß individuell war, und mandabey kein allgemeines Sprachgesetz vor Augen hat-te, oder doch dasselbe nur sehr dunkel dachte. Beydenjenigen, welche aus bloßen einfachen Buchstabenund Wurzellauten bestehen, ist diese Freyheit ameingeschränktesten; vermuthlich, weil ihre Bedeu-tung zu schwankend und unbestimmt ist, daher siezu vielen Mißbräuchen Anlaß gcben tonnten, odervielmehr, weil der Mensch einen natürlichen, oftfreylich nur dunkel empfundenen Trieb hat, nichtsohne klar empfundene Ursache zu thun. Die auseinzelen Wurzellauten bestehende Ableitungssylbenhaben durch die Länge der Zeit ihre eigenthümlicheBedeutung verlohren, welche schon anfänglich dun-kel und unbestimmt war. Wollte man sie jetzt zuBildung neuer Wörter gebrauchen, so würde manohne begriffliche Ursache handeln, man würde einWort bilden müssen, wovon wenigstens ein Theilein völlig willkührlicheS Zeichen hätte; ein Verfah-ren, welches der menschlichen Natur zuwider ist.Es ist dieß zugleich ein Beweis wider diejenigen,welchen die ganze Sprache eine Sammlung will--kührlicher Töne ist.

Etwas weiter erstreckt sich diese Freyheit beydenjenigen Ableitungssylben, welche aus völligenWurzelwörtern bestehen, dergleichen haft, heit, keitu. s. f. sind, welche man unter den gehörige» Um-ständen noch jetzt zu Bildung neuer Wörter anwen-den kann. Warum anders, als weil ihre Bedeu-tung bestimmter und zugleich bekannter ist, daherder Verstand sich der Ursache bewußt ist, warum ersie gebraucht? Um deßwillen hat diese Freyheit auchhier ihre Stufen, nachdem die Bedeutung mehr

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