Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1782)
Entstehung
Seite
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s.Kap. Ursprung der Sprache. K.78. 24z

wollte, indem sich wider jeden derselben sehr vieleserinnern lassen würde. Die Verwandtschaft undVerschiedenheit mehrerer Sprachen muß vielmehrganz nach der im vorigen vorgetragenen Lehre vondem Baue der Wörter bestimmet werden. Wennzwey Sprachen in ihren Wurzelwö'rtern, Biegungs-und Ableitungssylben im Ganzen, d. i. bis auf ein-zele Ausnahmen, mit einander überein stimmen,und der Unterschied bloß in den Vocalen (an wel-chen sich die Abweichung immer am ersten äußert)und verwandten Consonantcn bestehet, so sind siebloße Mundarten von einander. Betrifft die Ab-weichung aber auch andere, als verwandte Haupt-laute, und finden sich in den Biegungs- und Ablei-tungssylben merkliche Unterschiede, so sind es bloßverwandte Sprachen. Man siehet leicht, daßdiese Verwandtschaft sehr vieler Stufen fähig ist,nachdem die Übereinstimmung oder der Unterschiedin den angezeigten Bestandtheilen großer oder ge-ringer ist. Hätte man zwey Sprachen, deren mei-ste Wurzelwörter, sowohl dem laute als der Bedeu-tung nach, ähnlich, die Biegungö-und Ableitungs-sylben aber verschieden wären, so würde darausgeschlossen werden können, daß beyde Völker sichvor der Ausbildung ihrer Sprache getrennet, daherdenn jedes in derselben seinen eigenen Weg gehenmüssen. Ganz verschiedene Arten der Ableitungund Biegung, und ein merklicher Unterschied in denWurzeln und ihrer Bedeutung, geben endlich mehroder weniger verschiedene Sprachen.

Bey dem allen läßt sich doch aus der bloßenVerwandtschaft der Sprachen ohne Mitwirkung derGeschichte noch kein sicherer Schluß auf eine ge-meinschaftliche Abstammung machen, so sehr auch

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