Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1782)
Entstehung
Seite
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250 !.TH. i.Abschtt. Bildung der Wörter.

Unergründlichkeit. So bald man also ein Deut-sches Wort richtig ausspricht oder aussprechen höret,so kann man auch in Ansehung seiner Stammsylbenicht länger zweifelhaft seyn; ein Hülfsmittel, wel-ches die Aufsuchung des Stammwortes ungemeinerleichtert, und dasselbe jedem gewisser Maßen so-gleich in den Grund legt.

Dieser Umstand ist der Deutschen Sprache sssehr und so vorzüglich eigen, daß er auch noch ankeiner andern ältern oder neuern Sprache bemerketworden; selbst die mit der Deutschen Sprache sonahe verwandten nordischen Sprachen, haben ihnnicht so unbeschränkt, und die Englische hat ihn garnicht. Die Lateinische, Griechische und HebräischeSprache legen den Ton häufiger auf eine der Ablei-tungssylben, als aus die Stammsylbe; die beydenerstern vermuthlich, weil sie gewöhnt sind, die Ab-leitungssylben an einem und eben demselben Worteso sehr zu häufen, daß die Stammsylbe oft in dievierte, fünfte und sechste Sylbe vom Ende zu stehenkommt, und nur wenig Sprachen den Ton so weitvom Ende dulden können: or.2ti-niiL-u1a, av-unL-uluz, 2in-a-re, o^l-65-U8, auä -i-re, Iau6-sbll-it-er, ex - ^sri - ment - um; wo der Ton auflauter Ableitungssylben lieget. Daß die neuernTöchter des Lateinischen diese Gewohnheit nicht nurbeybehalten, sondern sie auch noch weiter ausgedeh-net haben, ist kein Wunder, weil ihre so sehr ge-mischten Sprachen eben durch diese Mischung alleEigenthümlichkeit verloren haben, daher die Lehrevon dem Tone bey ihnen gar keiner Regeln fähigist. Die Englische Sprache hat dabey so wenigfür das Gehör gesorgt, daß sie den Ton sehr oftauf die vierte und fünfte Sylbe vom Ende, undnoch dazu auf sehr zufällige Sylben setzt: ve.

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