i.Kap. überhaupt. §.94. 269
und wer es noch nicht weiß, darf nur die erste diebeste Sprachlehre nachschlagen. Da herrscht dennlauter Verwirrung, was man zu einem Redetheilerechnen soll oder nicht; der eine will nur von einemArtikel wissen, und weiset den Artikel ein zu denZahlwörtern zurück, ein anderer nimmt gar zwan-zig und noch mehr Artikel an, weil er alle Zahl-wörter mit dahin rechnet. Bey dem Pronomineherrscht eben so vieler Widerspruch, weil der falscheBegriff nirgends paffen will, und doch behält manihn lieber bey, als daß man sich die Mühe gebensollte, den wahren aufzusuchen, der sich bey nur einwenig Nachdenken sehr bald verräth. Ich übergeheden Syntax, der bey so elenden Definitionen nicht an-ders als höchst verworren und mangelhaft seyn kann.
Dieser nachlässige Vortrag der Sprachlehre hatunter vielen andern auch den Nachtheil, daß ihreErlernung jungen Personen höchst widerwärtig undekelhaft werden muß. Der Bau der Sprache wirddadurch ein bloßes Gedächtnißwerk, wobey der Ver-stand nicht das mindeste zn thun findet, und, wenner sich dessen ungeachtet darein mengen will, überallzurück gestoßen wird. Klare und deutliche Begriffehaben auch für die ungebildetste Seele einen unwi-derstehlichen Reiß, und jede Sprache würde mitweit mehr Eiser, Vergnügen und Nutzen auch fürdie Ausbildung des Verstandes erlernet werden,wenn man in ihren Vortrag mehr Deutlichkeit, beynahe möchte ich fagen, Menschenverstand, brächte,als bisher gewöhnlich ist.
Die so genannten philosophischen Sprachlehren,deren wir seit hundert Iahren in allen Sprache»erhalten haben, haben dem Übel nicht abgeholfen;fast alle haben den GesichcSpunct verfehlet, woraus
eine