Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1782)
Entstehung
Seite
297
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i. Dessen Arten. §. 124. 297

nachgeahmten 5aut, welcher ursprünglich nichts alseine Interjection war, als den Nahmen des Dingeszu gebrauchen, so konnten sie dabey keine andere ob-gleich nur dunkel empfundene Absicht haben, alsgerade dasjenige Ding, welches den iaut veranlassethatte, damit zu bezeichnen. Jedes Wort war alsoansanglich zu einem eigenen Nahmen bestimmt.Allein, da das tönende Merkmahl, welches denNahmsn herliehe, allgemein war, und sich an allenDingen einer Art befand, so wurden alle diese eige-nen Nahmen unvermerkt und von sich selbst zu Gat-tungsnamen. Der den Pfau von seinem Geschreyzuerst Pfau nannte, bezeichnete damit gerade nurden, welchen er hatte schreyen hören; er hörte einenzweyten, einen dritten schreyen, und glaubte, wenner sie nicht alle drey beysammen sahe, daß es immernoch der erste sey. Vermuthlich bedürfte es in derersten Kindheit der Sprache und der klaren Erkennt-niß einer langen Zeit, ehe der Mensch die Gegen-stände einer Art von einander unterscheiden lernte,kurz, ehe er dunkel erkennen lernete, daß das, was erfür ein Individuum gehalten, eine ganze Gattungoder Classe von einzelen Dingen, und daß sein er-fundener Nahme nichts weniger als ein eigenerNahme, sondern ein sehr allgemeiner GattungSnah-me sey. Das war nun freylich wider die ganze Ab-sicht derSprachersinder, und diese Entdeckung muß-te ihnen, ehe sie der dadurch entstandenen Verwir-rung abzuhelfen wußten, anfanglich viele Verlegen-heit verurfachen. Allein dieser Umstand ward dochin der Folge ein wahres Glück, sowohl für die Spra-che, als für die Erkenntniß; für die Sprache, weildas Gedächtniß unter der ungeheuern Menge eige-ner Nahmen, gesetzt, daß sie auch möglich gewesenwären, eben so sehr hätte erliegen müssen, als der

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