Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1782)
Entstehung
Seite
308
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ZQ8 I.TH. 2.Abschn. 2. Kap. Substantiv.

Plural. Das Saure bezeichnet entweder über-haupt alles, was sauer ist, oder auch was an einemDinge sauer ist, das Böse, alles, was in der Welt,oder was an einem Dinge böse ist; in beyden Fallenfindet kein Plural Statt, weil jeder Begriff seinenGegenstand als individuell betrachtet.

Allein Ursachen, Handlungen und Wirkungenkönnen mehrfach seyn, und sind also auch eines Plu-rals fähig. Eigenschaften können an mehrern Sub-jecten gedacht werden, und da sie an jedem Sub-jecte wieder anders bestimmt sind, so können sieauch von mehrern Arten gebraucht werden; in bey-den Fällen leiden sie den Plural: die Größen,die Säuren, von dem Singular die Säure, dieAlter. Abstracta, welche einen Zustand bedeuten,leiden den Plural am wenigsten, vermuthlich, weilhier jeder Zustand als ein genau bestimmtes indi-viduelles Ganzes betrachtet wird: Leben, Tod,Hunger, Durst, Aälre. Hierin liegt vermuth-lich auch der Grund, warum manche Abstracta,welche der Sache nach einen Plural leiden könnten,so widerwärtig klingen, wenn man ihn wider denSprachgebrauch erzwingen will: Anfang, EndeRath für Rathschlag, Tod. Sie bedeuten ur-sprünglich einen Zustand, und siiehen daher denPlural, auch wenn er nach geänderter Bedeutungmöglich scheinen sollte. Daß die Abstracta, wennsie eine concrete Bedeutung annehmen, und alsowahre Gattungswörter werden, auch einen Pluralleiden, verstehet sich von selbst: Bosheiten, Sün-den, Tugenden, Laster, Adscheulichkeiten.

2. Bil-