4. Vom Plural der Hauptw. §.158.159. 371
Die Bildung des Plurals ist bey den Substan-tiven und ihren Bestimmungswörtern eine eigeneArt der Biegung oder Motion, und sollte als sol-che billig auch ihre eigene Stelle erhalten, ob esgleich den Sprachlehrern bisher noch nicht gefalliggewesen, sie dafür anzunehmen. Man rechnet sieallemahl mit zur Declination, obgleich diese nur dasVerhältniß eines oder mehrerer Dinge gegen dasSubject der Rede bezeichnet, und daher in dein letz-tern Falle den Plural bereits voraus setzet.
§. 158. Wenn die Mehrheit durch gewisse dem Wurzella,,-.Substantive angehängte Wurzellaute ausgedruckt ^ ^' denwerden soll, so werden dazu im Hochdeutschen deren ^"^»vier, oder eigentlich nur drey, gebraucht, welche e,^r, en und n sind, wovon der letztere nur das ver-kürzte cn ist. Die Niederdeutschen haben außer-dem noch das s, welches sie oft in solchen Wörterngebrauchen, welche im Hochdeutschen dem Singulargleich sind, daher es den Niedersachen , wenn sieHochdeutsch reden wollen, im Anfange schwer fällt,sich dieses s zu entwöhnen: die Iungens, Mäd-chens, N)agens, Schlittens, Fräuleins. Ver-muthlich ist das 5 und x in dem Plural der Fran-zosen noch ein Überbleibsel, entweder der alten Gal-lischen Sprache, oder auch der Fränkischen Mund-art, welche anfänglich vermuthlich Niederdeutschwar, und unter der Herrschaft der Fränkischen Kö-nige beträchtliche Einflüsse auf die LandesspracheFrankreichs gehabt hat.
H. 159. Da nichts in der Sprache ganz will- Grundtuhrlich und ohne allen Grund ist, so ist auch nicht derselbe»,zu vermuthen, daß es die Bildung des Plurals seynwerde, zumahl da der Begriff der Mehrheit nuneben so fein und verwickelt nicht ist, daß die Seele
Aa s ihn