684 r-TH. 2. Abschn. 6. Kap.
ter. Man fing an, diesen Mißbrauch auch'auf dasgesellschaftliche Leben auszudehnen, verwandelte diezweyte Person aus Höflichkeit in die dritte und re-dete sie mit er und sie an. Bald hielt man auchdaö für ungesittet, und vertauschte den Singularder dritten Person mit der vielfachen, und nun hießjeder, welchen man ehren wollte, im Plural sie. Al-lein auch dieses schien in manchen Fällen nicht ge-nug zu ehren, daher vertauschte man im Oberdeut,schen daö persönliche Pronomen mit dem Demon-strativs derselbe, erst mit dessen Singular, unddann wieder mit dessen Plural, welches denn auchim Hochdeutschen angenommen wurde. So warddas einige wahre Pronomen der zweyten Person du,nach und nach in dieselben verwandelt, und werweiß, wie weit man hierin noch gehen wird, dennbey dem dieselben wird die Thorheit gewiß nichtstehen bleiben.
Nach dieser Verdrehung und Verwirrung derPronominum wird du nur noch i. gegen Gott,2. in der Dichtkunst und dichterischen Schreibart,z. in der Sprache der engen Vertraulichkeit, und4. in dem Tone der hochgebiethenden Herrschaft undtiefen Verachtung gebraucht. Außer diesen Fällenredet man sehr geringe Personen mit ihr, etwasbessere mit er und sie, noch bessere mit dem Pluralsie, und noch vornehmere wohl mit dem Demon-strativs Dieselben oder auch mit abstracten Wiirde-nahmen, Ew. Majestät, Ew. DurchlauchtiLrv. Excellenz u. s. f. an.Pronomen §. Z42. Die erste und zweyte Person sind durchder dritten ihre Stelle in der Rede und die übrigen UmständePerson. so genau bestimmt, daß weder ihr Nahme,
noch ihr Geschlecht, eine nähere Bestimmung bedür.fen. Allein mit der dritten verhält es sich ganz an.
derö.