720 I. Tl). 2. Abschtt. 7. Kap.
Da wir Mm zwey so ungleiche Classen von Ver-bis haben, das erste einfache und ursprünglicheseyn, und die große Menge der Ädrigen, welche mitdemselben zusammen gesetzet sind, so darf man sichauch nicht wundern, daß der eben gegebene Begriffnur auf die letztem, nicht aber auf die meisten Be-deutungen des erstem paßt» Da beyde so wesent-lich verschieden sind, so ist auch keine ErklärungMöglich, welche auf beyde paßte, und jedes Begrifferschöpfte. Will man ja einen allgemeinen Begriffhaben, so sage man, es sey derRedetheil, welcher demSubjecte das Prädicat beyleget oder einverleibet,vergesse aber nicht sogleich hinzu zu seßen, daß wirZwey sehr ungleiche Classe»! von VerbiS haben, wo-von das einige seyn die bloße Beylegung und weitetNichts ausdruckt, alle übrigen Verba aber zugleichdas Pradicat mit in sich enchalten.
Zu dieser Beylegung desPradicateö bestehet dasWesen des Verbi und dessen Unterscheidungsmerk-Mahl von allen übrigen Redetheiien. Das übrigean demselben, daß es z. B. die Art und Weise aus-druckt, wie das Pradicat von dem Subjecte gesagtwird, daß es die Person bezeichnet, von welcher,nnd die Zeit, in welcher es gesagt wird, ist bloß zu-fällig, daher auch alle Sprachen darin von einan-der abweichen. Und doch sahen unsere DeutschenSprachlehrer nichts wichrigers an demselben, alsdie Bezeichnung des UinstandeS der Zeit, daher siees von demselben auch das Zeitwort nannten. Dadieser Nahme nur von einein zufälligen Umstände,uns zwar nur von einem unter mehrern Hergenom?men ist, so wird man leicht einscyen, wie verwerf-lich or.^elbe ist. Der Lateinische Nahme Verbuniist freylich nicht besser, weil er bloß von der Wich-tigkeit dieses NederheileS hergenommen ist, welches
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