Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1782)
Entstehung
Seite
756
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756 l.TH. 2.Abschn. 7. Kap.

Abkürzung der Rede nach und nach an das Prädi-cat angehänget wurden. Es erhellet daraus, daßein jedes Verbum ein abgeleiteter Redetheil ist, dererst durch die angehängten Wurzellciute zu demwird, was es seyn soll, nähmlich zu einem Verbo.Wenn man die verschiedenen Verhältnisse erwäget,welche man ans diese Art durch sehr einfache iautean dem Wurzelworte, welches gemeiniglich eineIn-terjection oder noch häufiger ein Adverbium ist, aus-zudrucken gewußt, so muß man gestehen, daß dasVerbum ein sehr künstlicher Redetheil ist, welcherdaher bey jedem Volke erst einen gewissen Grad derCultur voraus setzet, ehe er wenigstens auf eine ein-förmige Art entstehen kann. Da aber die mögli-chen Verhältnisse dieser Art sehr vielfach sind, sokam es dabey auf jedes Volk, dessen Grad der Auf-klärung und Bedürfniß an, wie viel und was fürwelche es an feinen Verbis auf eine einförmige Artbezeichnen, oder welche es durch eigene Wörter undjaute ausdrucken wollte. Hierzu kommt noch, daßdie Verhältnisse selbst nur sehr dunkel empfundenwerden konnten, daher man zu ihrer Bezeichnungsehr unbestimmt tönende Wurzellaute wählen muß-te, welche aber doch immer noch eine Ähnlichkeit mitdem dunkeln Begriffe haben mußten, weil man siesonst nicht hätte wählen können. Daher ist dennjedes Volk in Bildung seiner Verborum seinen ei-genen Weg gegangen, und kein Redetheil ist sich inganz verschiedenen Sprachen so ungleich, als ebendas Verbum. Es kann zugleich als ein Maßstabder Cultur, aber einer eigenen aus sich selbst herge-nommenen Cultur, jedes Volkes angesehen werden,und in dieser Rücksicht ist das Griechische Verbumdas vollständigste und vollkommenste, weil es diemeisten Verhältnisse an dem Wurzelworte des Verbi

bezeichnen