788 i. Th- 2.Abschn. 7. Kap.
verloren ist« Allein, um die allgemeine Verständ-lichkeit nicht zu verletzen, behalt es die alten For-men bey, und sucht sie nur nach und nach, und aufeine unmerkliche Art, den regulären zu nähern. Dadieses wieder nur nach der dunkeln Empfindung derGleichförmigkeit, und selbst, wenn ich so sagen darf,nach der dunkeln Empfindung des klaren Begriffesdes Verhältnisses geschiehet und geschehen kann, soist solches erst in einem beträchtlichen Zeiträumemerklich. Aus ich brenne, du bn'nnst, erbrinnt, ich brunn, gebrunnen, ward stufenweiseerst ich brenne, du brennest, er brennet, ichbrann, gebrmmen; dann ich brannte, ge^brannr. Jetzt sagt man schon schüchtern hier undda ich brennete, gebrenner. Nach fünfzig Iah-ren sind vielleicht beyde Formen gleich üblich, undnach noch fünfzig Iahren weiter wird die reguläreherrschen. Und so mit andern ähnlichen Wörternmehr. Ein Sprachlehrer hat daher hier so wenigzu befehlen und vorzuschreiben, als in andern Fäl-len, fondern muß alles dem Gange der Cultur undder Aufklärung überlassen. 4. Je mehr demnacheine Sprache ausgebildet und verseinert wird, destomehr nähert sie sich nach und nach den regulärenFormen, sowohl in der Conjugation, als in allenübrigen Stücken, welche zur Sprache gehören. DieHochdeutsche Mundart, die ausgebildetste und auf-geklärteste unter allen Deutschen Mundarten, neigetsich daher auch mehr als irgend eine andere zu denregulären Formen, sowohl in Ansehung ganzer Zeit-wörter, als auch einzelcr Theile, und eS ist jedesSprachlehrers Pflicht, ihr darin zu Hülfe Zu kom-men, wenigstens sich ihr nicht zu widersetzen. Sosiud von kommen du kömmst, er kommt, unddu kommst, er kommt, noch gleich üblich, doch
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