Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1782)
Entstehung
Seite
825
Einzelbild herunterladen
 

Von dem Verbo. §.429.430. 825

neigen sich die Niederdeutschen Mundarten mehrfür das haben, die Oberdeutschen aber mehr fürdas seyn, und die Hochdeutsche, das Mittel zwi-schen beyden, neiget sich bald zu dieser, bald zu je-ner Mundart. So bekommen die Intransitiva lie-gen, fitzen und stehen, welche unstreitig leidendsind, weil sie einen Zustand bedeuten, und daher dasHülfswort seyn erfordern, welches sie auch im Ober-deutschen fast durchgangig bekommen, im Hochdeut-schen dennoch das haben, und zwar nach dem Vor-gänge der Niederdeutschen , ich habe hier geses-sen, ich habe den ganzen Tag gesessen, ge-standen, gelegen, im Oberdeutschen ich bin. Inmanchen Fallen ist der Gebrauch im Hochdeutschenschwankend, und dann wird ein Intransitivum ineiner und eben derselben Bedeutung bald mit seyn,bald aber auch mit haben gebraucht, und es läßtsich eben nicht allemahl mit Gewißheit entscheiden,welches sowohl der Bedeutung als dein Gebrauchenach das wahre ist.

§. 4zo. Bey dem allen bleibt doch die Regel im Jnrransiri-Ganzen richtig: das haben bekommen alleInrran-mitsitiva, wobey das Subject mehr thätig als leideud hal>en.gedacht wird, z. V. heben, zitrern, blicken, se-hen, schauen, bluren, arbeiten, brennen, feh-len, flehen, forschen, gcirzcn, gelten, zürnenu. s. f. Und da die Anzahl dieser Intransitive diestärkste ist, so werden auch die meisten Intransitivamit diesem Hülfsworte gebeuget. Zu den Aus,nahmen gehören vornehmlich diejenigen, welche eineVeränderung des Ortes bedeuten, davon hernach.Es gehören also unter diese Regel:

1. Alle eigentliche Transitiva, welche in ebenderselben Bedeutung, mit Verschweigung des leiden-den Gegenstandes, auch intransitiv gebraucht werden

Fff 5 könne«: