Mehrteiliges Werk 
Briefe Deutscher Gelehrten an den Herrn Geheimen Rath Klotz / Herausgegeben von J. J. A. v. Hagen, Lieut. des Königl. Preuß. Reg. von Anh. Bernburg
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und wie krank ich ein paarmal wieder war, Sie soll-ten doch wohl mit Ihrem GleilN einiges Mitleidenhaben. Bon Woche zu Woche glaubte ich einen -Tagzu finden, den ich meinen Freunden, und den Mussen ganz widmen könnte, aber ich schwöre eS Ihnen,nicht diesen einzigen Tag konnte ich finden. Gezwun-gen also, denn wie konnte ich eS länger verschieden ?sage ich mit dieser störrischenWne eines Akten^reichersIhnen nur kurz, daß diesen ganzen traurigen Winterhindurch mich nichts vergnügte, als das Andenkenan das Äergnügen, das meine Freunde den vorigenSommer in Lauchstedt mir machten. Den mshrestenAntheilVaran hatte mein grosser gelehrterMvtz/ einesnoch hatte ich, ich las Ihr Urtheil überLeßlNgs Lao«coon. Wie sehr zu beneiden sind Sie, mein theuersterFreund. Allen Ihren Schriften sieht man es an,daß Sie mit ganzer Seele bey Ihren lieben Musensind, ohne durch eine Menge von Zerstreuungen alleAugenblicke einmal in dem Umgange mit ihnen gestösret zu werden. Wie wäre es sonst möglich eine soerstaunliche Gelehrsamkeit zu besitzen! Wir andern ge«plagten Leute, wieselten können wir eine Schäferstun»ge mit den fürtrefflichen Mädchen ungestört verbrinsgen. Mit Ihren Erinnerungen kann und wird HerrLeßtNg eben so zufrieden seyn, als mit Ihrem Lobe.Wenn Sie loben, mein liebster Freund, so hört maneine der Musen. Die Worte sind so harmonisch, eineGrazie vergaste zu erröthen, wenn sie ins Gesichtealso gelobt würde ! Herr LeßlNg selbst hat mir nochnichts darüber gesagt/er ist nach Hamburg verreiset,und man sagt, er sey daselbst Direktor der Schau?

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