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Christian Thomasens Von Der Kunst Vernünftig und Tugendhaft zu lieben : Als dem eintzigen Mittel zu einem glückseeligen, galanten und vergnügten Leben zugelangen, Oder: Einleitung Der Sitten-Lehre ; Nebst einer Vorrede, In welcher unter andern der Verfertiger der curiösen Monatlichen Unterredungen freundlich erinnert und gebeten wird, von Sachen, die er nicht verstehet, nicht zu urtheilen, und den Autoren dermahleins in Ruhe zu lassen
Entstehung
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;8 Das I. H. von der Gelahrheit

Gemüths-Ruhe, diese aber in einer stillen Belusti,gung bestünde.

l-?z. Sprichst du gleich: diese mäßigenBelustigungen und alle Belustigungen desGemüths wären keine belustigende Güter, weildas belustigende Gut eintzig und allein in sehr em-pfindlichen Berührungen der Smnligkeitenbestünde, z.E-in einer Woüust, in clelicaten Essenund Trincken, und andern Dingen,die wir Wollü-ste des Leibes nennen; so ist doch diese Ausfluchtsehr unvernünftig. Denn erstlich haben wir Ichonoben erwiesen, daß alle empfindliche Belu-stigung ein Schein-Gut, oder deutlicher, et-was böses sey, und daß denen maßigen Belusti»Zungen alleine die Beschreibung des Guten zu-komme.

104. Zum andern, gleichwie es eine grosseThorheit seyn würde, wenn wir verneinen wol,ten, daß ein Sauffer, Spieler und Hurer indem Augenblick seiner Belustigung kein Ver-gnügen fühlen solle; also wäre es auch unge-schickt, wenn man die»enigen, die die Belusti«gung der Seelen würckiich empfinden, beredenwvlte, ihre Empfindlichkeit betröge sie. Denndaß ich anietzo nichts von der stillen Lust und ru-higen Vergnügen eines wahrhafftig weisen undtugendhafften Mannes erwehne, so ist wohlausser Zweiffel, daß das Gemüthe eines Ehrgei-higen über den gnadigen Blick eines Fürsten;eines Geldgierigen über der Erhaltung eines Ge-winsts