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Christian Thomasens Von Der Kunst Vernünftig und Tugendhaft zu lieben : Als dem eintzigen Mittel zu einem glückseeligen, galanten und vergnügten Leben zugelangen, Oder: Einleitung Der Sitten-Lehre ; Nebst einer Vorrede, In welcher unter andern der Verfertiger der curiösen Monatlichen Unterredungen freundlich erinnert und gebeten wird, von Sachen, die er nicht verstehet, nicht zu urtheilen, und den Autoren dermahleins in Ruhe zu lassen
Entstehung
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74 Das-.H. von der großen

glücklich ist, als wenn cr nebst seinerWeißheit und Tugend auch gesund wäre?

4z. Ferner unter denen Gütern der mensch-lichen Seele müssen wir uns wohl in acht neh-men , daß wir in Gegeneinanderhaltung dertLröantmsi des wahren und falschen, die

im Verstände ihren Sitz hat, und denen ausdes Mc-'scden Willen hervorkommenden tu-gendhaften Thaten nicht einen unvernünfti-gen Arwscdlng geben. Zwar können diese letztemohne vernünftige Einrichtung des Wahns in demmenschliche-iVerstande nicht bestehen: allein wennsonst nichts wäre, so sind sie doch deswegen viel vor-lrefiicher cilS jene, weil der Verstand, so ferne ermit dem Guten zu thun hat, daffelbige nur erken-net,niemahlen aber dasselbige erlanger,sondern dasGute in Ansehen des Verstandes, nur allezeit alsein entfernetes und zukünftiges Ding betrachtetwerden muß, welches der Verstand niemahlen er-greiffet noch ergreiffen kan; dahingegen der Wil-le, so ferne cr dem äuserlichen Thun und Lassen an-bcfiehlet dem Guten nachzujagen, dasseibige aucherhalt, und dadurch der Mensch des Guten ge-niesset.

44- Wir wollen, dieses desto besser zu verste,hen, noch nicht einmahl ein Exempel, von der grös-sten Giückseeligkcit des Menschen, sondern nurvon denen bißher erzehllen andern Gütern ge-ben. Was hilft es dem Menschen, wenn er

gleich