G'lückjeell'ZSelt des Menschen. 87
geiwihiget werden könne, Scdmertzen zu empfin-den, und zu weinen: da hingegenlheil ordentlichdie Freude und das Lacken aus des MenschenWill.'n und Begierden herrühret, es wäre denn,wenn man hiervon eine gewaltige Kützelung exi-miren wolle, wiewohl noch dahin stehet.ob dieselbe,wenn sie ein wenig cominuiret, nicht mehr zu demSchmechen als zu der Freude zu rechnen sey?
69. Daß aber in dieser ruhige,! Nelustt>gung die groste Giuckseeligkeit des Men-schen bestehe, ist daher abzunehmen, weil derMensch bey alle denen andern Gütern, als Reich-thum, Ehre, Freyheit, Freunden, dem äecoro, derGesundheit, der Weisheit, der Tugend, wiewohlbey denen meisten vergeblich nach diesem Gueetrachcer, und in denenselben seine Ruhe suchet;wer aber die Gemüths-Ruhe einmahl besitzet,und um nichts mehr als um derselben Erhallungbekümmert ist, auch der andern Güter, die ebenzur selben so sonderlich nichts contribuiren, garleicht entbehren kan.
70. Und ob wir schon gesagt, daß dieGemüths-Ruhe trachte sich mit andern ruhigen Ge-müthern zu vereinigen, so ist doch diesesTrachten Leine unruhige Begierde, oder einsolch Verlangen, das den Menschen unglücklichmachte, wenn es nicht erfüllet würde: fondern einruhiges Bemühen und Darbieten,und folglich eineconnnuirung der einmahl erhaltenen Gemülhs-Ruhe, als welche ordentlich durch eine derglei-
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