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Christian Thomasens Von Der Kunst Vernünftig und Tugendhaft zu lieben : Als dem eintzigen Mittel zu einem glückseeligen, galanten und vergnügten Leben zugelangen, Oder: Einleitung Der Sitten-Lehre ; Nebst einer Vorrede, In welcher unter andern der Verfertiger der curiösen Monatlichen Unterredungen freundlich erinnert und gebeten wird, von Sachen, die er nicht verstehet, nicht zu urtheilen, und den Autoren dermahleins in Ruhe zu lassen
Entstehung
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denen er in Gesellschaft lebet, durch ihre äusser»liche Rede seine innerliche anzündeten? Wasbrauchte e6 aber endlich wiederum aller äußerli-chen Reden, wenn keine menschliche Gesellschaftwäre?

76. Ohne menschliche Gesellschaft wür,de ein erwachsener Nllensch kein Vergnn,gen haben, wenn er gleich dieZanyerveltbesässe. Er müste sich selbst bedienen, und dieseBedienung würde ihm, wenn er wollüstig oderehrgeitzig wäre, unerträglich seon» Ja wenn ergleich, wie die ?oeren von der ?5^cKe melden, vonunsichtbaren Geistern bedienet würde, oder so ver-nünftig wäre, daß er seine eigene Bedienung fürkeine Last hielte, würde er dvch deßwegen unver,gnügt seyn, weil ihm, weiln er ehrgeitzig wäre,an Leuten, denen er befehlen könte, und von denener geehret würde; oder wenn er geldgeitzig wäre,die er beneiden, betrügen, und sich über ihr Unglückfreuen könle: wenn er wollüstig wäre, an wollü,stiger Gesellschaft; und wenn er mr Tugend ge-neigt wäre, an Leuten, denen er Gutes thun, undsie feines Vergnügens theilhaftig machen kvnle,ermangeln würte.

77. Ja dieses Unvergnügen würde auch selbstdl'e H^n^o/ien treffen, oder die sich in ihret//o5/^uen verschließen, und von aller mensch-lichen Gesellschaft entgehen, wenn sie nicht inmenschlicher Gesellschaft leben sollen. Denn dieA^»^o/>en suchen ihr Vergnügen darinnen.