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Christian Thomasens Von Der Kunst Vernünftig und Tugendhaft zu lieben : Als dem eintzigen Mittel zu einem glückseeligen, galanten und vergnügten Leben zugelangen, Oder: Einleitung Der Sitten-Lehre ; Nebst einer Vorrede, In welcher unter andern der Verfertiger der curiösen Monatlichen Unterredungen freundlich erinnert und gebeten wird, von Sachen, die er nicht verstehet, nicht zu urtheilen, und den Autoren dermahleins in Ruhe zu lassen
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Glückseligkeit des Menschen. 91

daß sie die gegenwärtige Welt tadeln, und die sichin Büchern vergraben, daß sie entweder bey denenLebenden sich ein Ansehen machen, oder dieselbencenüren wollen, u.s.w.

73. Zu geschweige» , daß die aUermeisienBelustigungen des Gesichts, Gehörs, Ge-ruchs, Geschmacks, und Gefühles entwederin und bebändern Menschen qesucht werden,oder aber in einer Einbildung beruhen, weil wirsehen oder hören, daß andere Menschen, diewir hoch halten, in gewissen Dingen eine Belusti-gung finden.

79. Es möge dannenhsw der Mensch sich be>trachten, auf was fürWeise er wolle, so wird er be-finden, daß ihn GOtt zu einen geselligen Thiergeschaffen habe, und zwar, daß er in einer fried-fertigen Gesellschaft mit andern leben solle.Ohne Friede ist Leine Gesellschaft, weilZwiespalt und Wiederwillen alle Gesellschaftzerreisset und aufhebet. Und ohne Gesell-schaft Tan Vein Friede seyn, weit der Friedein der Vereinigung menschlicher Gemüther be-stehet. Ohne Friede ist dem Menschen wederVernunft noch Rede nütze, weil man uim Kriegnichts als Gewalt vonnöthen hat, auch die tapfe-ren Helden ihr Schwerd nicht im Munde, sondernin der Faust führen.

8-?. So ist demnach der Mensch zur Liebe an-derer Menschen geschaffen, weil er zum Friedegeschaffen ist» Denn die Liebe und der Friede

grün»