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Christian Thomasens Von Der Kunst Vernünftig und Tugendhaft zu lieben : Als dem eintzigen Mittel zu einem glückseeligen, galanten und vergnügten Leben zugelangen, Oder: Einleitung Der Sitten-Lehre ; Nebst einer Vorrede, In welcher unter andern der Verfertiger der curiösen Monatlichen Unterredungen freundlich erinnert und gebeten wird, von Sachen, die er nicht verstehet, nicht zu urtheilen, und den Autoren dermahleins in Ruhe zu lassen
Entstehung
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Glückseeligkeir des Menschen. 95

Worte halber erfunden. Wüt Du es nicht Ge-müths-Ruhe nennen, nenne es eine Wollustoder Vergnügender Seele«, oder eine ver-nünftige l!.iebe, oder die Vereinigung zwey-er sich liebenden Seelen, oder die Zöemü?hung der geliebten Person alles gutes znthun, und zwar für sie zu sterben, oder die Un-terdrückungoder 2wstilgung derdas Ge-müth verunruhigenden Bewegungen. Ichwill wegen keines vvn diesen einen Streit mit diranfangen. Nur me> cke, daß, wenn du nicht allesdieses, waö du bißher genennet, beysammen Haff,sondern nur eines davon vermisiest, du auch diewahre Glückseligkeit unmöglich besitzen könnest,fondern daß du dir, wenn du dich eines andernbereden wilst, damit vergebens schmeichelst.

88. Wir müssen uns aber nun auch zu derandern Betrachtung der grösten Glückseelig-keit wenden, so ftrne dieselbige in Betrachtungihrer Vollkommenheit genommen wird; undHeisset so Vcmn die gröste Glückseligkeit desMenschen entweder dasjenige Gut, welches«Ue so wohl nöthige als überflüssige Stü-cke und Zierrarh^n der Gemüths Ruhe mseinem Begnf hält, oder die Gemüths-Ruhe nur mi« allen wesentlichen dahingehörigen Gütern, ohn? welche dieselbe nichtbestehen kan, ohne Beti-achtuna derer mensch-lichen Güter, die nur unnochige Stücke oderdlosseZierrachenseyn.

''89. Dem»