Antiquarischer Briefe siebender.
ligc Beyspiele mehr weiß, als ich wissen mag. Ich gönne ihmdiesen Vorzug recht gern; es sey aber, daß ich sie gekannt odernicht gekannt habe: sie haben ihre Abfertigung mit der gan-zen Classe erhalten, in die sie gehören.
Welches Zucken, seine Belcsenheit so sehr auf Unkosten sei-ner Ucbcrlegung zn zeigen!
Wenn Herr Klotz noch erst den Unterschied bestritten hätte,den ich unter den Antiken zumachen vorschlage! Aber stillschwei-gend diesen Unterschied zugeben, und nur immer mit einzeln Bey-spielen auf mich ein stürmen, die nach diesem Unterschiede vongar keiner Folge für mich sind: wahrlich, das ist eine Art zustreiten — eine Art, für die ich gar kein Beywort weiß.
Als ich behauptete, daß die alten Artisten keine Furien ge-bildet, fügte ich unmittelbar hinzu: (') „ich nehme diejenigenFiguren aus, die mehr zur Bildersprache, als zur Kunst gehören,dergleichen die auf den Münzen vornehmlich sind." Dem ohn-gcachtct kömmt Herr Klotz, mich zu widerlegen, mit ein PaarMünzen aufgezogen, auf welchen Caylus Furien bemerkt habe.Ich kannte dergleichen Münzen schon selbst: was liegt an derMehrheit?
Die Figuren auf den Münzen, sagte ich, gehören vornehmlichzur Bildersprache. Aber nicht allein: die geschnittenen Steinegehören, wegen ihres Gebrauchs als Siegel, gleichfalls dahin.Wenn wir also auf geschnittenen Steinen Furien zu sehen glau-ben, so sind wir berechtiget, sie mehr für eigensinnige Symbolader Besitzer, als für freywilligc Werke der Künstler zu halten.Ich kannte dergleichen Steine: aber Herr Klotz kennt einen mehr!Ey, welche Freude! So freuet sich ein Kind, das bunte Kieselam Ufer findet, und einen nach dem andern mit Jauchzen derMutter in den Schooß bringt; die Mutter lächelt, nnd schüttet sie,wenn das Kind nun müde ist, alle mit eins wieder in den Sand.
Achter Brief.Noch hundert solche Steine, noch hundert solche Münzen:und meine Meinung bleibt, wie sie war. Es ist vergebens,
(°) Lcwkoon S, 1k, lBcmd VI, S, Z84.Z<") Laokoon S. 108, l^Band Vl, S. 4Z8,j
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