Antiquarischer Briefe neunzehnter.
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nicht gefunden haben; wenigstens da nicht gefunden haben, wosie stehen soll. Sie steht nicht in dem dritten Kapitel des fünfund drcyßigstcn Buchs; sie steht in dem ganzen fünf und drcy-ßigstcn Buche nicht; kurz, sie steht in dem ganzen Plinius nicht,und Gott mag wissen, wo sie Natter, oder Hr. Deschamps,dessen Feder sich Natter bediente, hergenommen hat.
Wie gefällt Ihnen das? Was sagen Sie zu einem solchenO-ucllcnbrauchcr, der aus der ersten der besten Pfütze schöpft,ohne sich zu bekümmern, was für Unrcinigkciten aus demGrunde liegen?
Neunzehnter Brief.
Von den Römern, in Absicht auf die Kunst, schwatzt Hr.Klotz nach dem alten, von Winkelmanncn genugsamwiderlegten Vorurthcilc, daß ihre Künstler einen eigenen Stilgehabt. „Wahre Kenner, sagt er, bemerken an den römischen„Steinen eine trockne Zeichnung, ein ängstliches und plumpes„Wesen, eine kalte Arbeit, und an den Köpfen weder Geist„noch Charakter." Ueber die wahren Kenner! Wenn das denrömischen Stil ausmacht, so arbeiten alle Stümper im römi-schen Stile. Aber wer heißt denn diese wahre Kenner, alleswas schlecht ist für römisch ausgeben? Gab es unter den grie-chischen Künstlern keine Stümper?
Der letzte Stoß, mit dem Hr. Klotz gegen die römischeKunst ausfällt, ist bcsoudcrs merkwürdig. Auch ist er ganzvon seiner eignen Erfindung, und mit einer Bchändigkeit undStärke geführt, daß ich gar nicht absehe, wie er zu pariren ist.„Die Römer, versichert er, hatten nicht einmal ein Wort in„ihrer Sprache, einen Steinschneider anzudeuten."
Was eine so gering scheinende Anmerkung aus dem Wör-tcrbuche, mit eins für einen Aufschluß in die Geschichte derKünste geben kann!
Nun rede man mir ja nichts mehr von der Baukunst derRömer! Sie hatten ja nicht einmal ein Wort in ihrer Spracheeinen Baumeister anzudeuten.
(°) S. Z0. u. f.
(") Gesch. der Kunst. S. 291. und 293,