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Antiquarischer Briefe vier und zwanzigster.
Sollte indeß, was auf diese Weise unterblieb, wohl ohne alleAusnahme unterblieben seyn? Wer kann sich das vorstellen? Viel-mehr haben deren aus eben der Ursache, welche das allgemeineGesetz veranlaßte, von dem sie die Ausnahmen sind, entsprin-gen können und müssen. Die Ursache, warum man den Sma-ragd nicht schnitt, war, wie es Solinus ausdrückt: no ollonlumlloeus Imiiglnum laeuius corrumporotur. Wenn nun aber demKünstler ein Smaragd in die Hände siel, der irgend einen klei-nen Fehler der Farbe oder des Körpers hatte, von welchemer sahe, daß er eben durch dergleichen imnz'inum Iseuuasheraus zu bringen sey: wird er ihn nicht eben darum geschnittenhaben, warum er ihn ohne diesen Fehler nicht hätte schnei-den müssen?
Und dieses wäre die Antwort überhaupt auf alle die ein-zeln Beyspiele von geschnittenen Smaragden, die man demPlinius entgegen setzen könnte. Von denen aber, die Goguetanführet, läßt sich bey jedem noch etwas ins besondere anmerken.
Daß der Stein des Polykratcs ein Smaragd gewesen, istso ausgemacht nicht. Herodotus zwar sagt es; aber Plinius giebt ihn für einen Sardonyr aus. Wäre cs aber auch wirklichein Smaragd gewesen, so habe ich schon gezeigt, wie wenig cSerwiesen, daß cs ein geschnittener gewesen.
Das Zeugniß des Thcophrast (°) beweiset vollends nichts.Denn Thcophrast, wenn er anmerkt, daß der Smaragd für dieAugen gut sey, sagt blos: 6io o-cpp«^-^« cpo?o^o-tv
«^5^, io^s sZ^x^xt^; welches weiter nichts bedeutet, als daßman ihn daher gern in Ringen geführt.
Was endlich die geschnittenen Smaragde anbelangt, die beydem Plinius selbst vorkommen sollen, so erinncre ich mich nurdes einzigen, bereits gedachten, den Zsmenias in Cypern kaufenließ. Dieser beweise, sagt Plinius , daß damals j'eal,,, otiamrmmaZckos I0M08. „Man schnitt damals auch sogar Smaragde."Das otiam ist deutlich mit Beziehung auf das streitige Verbothgesagt. Freylich wird man, zu Anfange der Kunst die erstendie besten Steine geschnitten haben, die unter die Hände kamen.
(°) Seite 62. der Englischgricchischc» Ausgabe von Hill.