tt0 Antiquarischer Briefe sieben nnd dreyßigfier.
Das ist alles, was ich verlangen; das ist alles, was ichvon einem rechtschaffnen Manne erwarten konnte! Er, dem csblos nm die Aufklärung der Wahrheit zu thun ist, kann wohldann und wann ein Wort für das andere, eine Wendung fürdie andere ergreifen; aber sobald er sieht, daß dieses unrechteWort, daß diese unrechte Wendung einen Eindruck machen, densie nicht machen sollen, daß kleine hämische Kläffer dahinter herbellen, und die nnwissendc Schadenfreude den Wurf, der ihmentfuhr, für abgezielt ausschrcict: so steht er keinen Augenblickan, das Mißverständnis? zu heben; die Sache mag noch so ge-ringschätzig scheinen.
Was wäre es denn nun, zwey Statuen verwechselt zu ha-ben? — Freylich wäre cs für die Welt weniger als nichts:aber für den, der sich einer solchen Nachläßigkcit schuldig ma-chen könnte, und gleichwohl von dergleichen Dingen schreibenwollle, wäre cs viel. Das tjuiä pro quo wäre zu grob, umdas Zutrauen seiner Leser nicht dadurch zu verscherzen.
Ich will mich erklären, in wie fern ich auf dieses Zutrauensehr eifersüchtig bin. Niemanden würde ich lächerlicher vorkom-men, als mir selbst, wenn ich auch von dem aller eingeschränk-testen unfähigsten Kopfe verlangen könnte, ein Urtheil, eineMeinung blindlings, blos darum anzunehmen, weil cs meinUrtheil, weil cs mcinc Meinung ist. Und wie könnte ich soein verächtliches Zutrauen fordern, da ich cs selbst gegen keinenMenschen in der Welt habe? Es ist ein weit anständigers,worauf ich Anspruch mache. Nehmlich: so oft ich für meineMeinung, für mein Urtheil, Zeugnisse und Facta anziehe, wollteich gern, daß niemand Grund zu haben glaubte, zu zweifeln,ob ich diese Zeugnisse auch wohl selbst möchte nachgesehen, obich diese Facta auch wohl aus ihren eigentlichen O-uellcn möchtegeschöpft haben. Ich verlange nicht, mit dem Kaufmanne zurcdcn, für einen reichen Mann geachtet zu werden: aber ich ver-lange, daß man die Tratten, die ich gebe, für aufrichtig undsicher halte. Die Sachen, welche zum Grunde liegen, müßenso viel möglich ihre Richtigkeit haben: aber, ob auch dieSchlüßc, die ich daraus ziehe? da traue mir niemand; da sehejeder selbst zu.