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Antiquarischer Briefe drey und fünfzigster.
„nung mir alles das Unangenehme, welches mein Professoramt„bey sich führet, versüßt hatte, bringt mir mein Freund, Hr.„Hausen, die Nachricht, daß Sie in Berlin sind. Es bleibt„mir also nichts übrig, als, um mir das Vergnügen, Sie zu„umarmen, zu verschaffen, selbst nach Berlin zu reisen, und ich„hoffe gewiß, daß ich auf Ostern meinem Verlangen werde ein„Genüge leisten können. Unter die Vortheile, die ich mir von„dem Warschauer Ankrage versprach, rechnete ich immer auch„den, daß ich Sie einige Wochen genießen würde.
„Sie haben mir die Erlaubniß gegeben, das nieder zu„schreiben, was ich bey dem Lesen Ihres vortrefflichen Laokoons„gedacht. Wenn Sie einige Augenblicke beygelegter Schrift„gönnen wollen, so werden Sie sehen, daß ich mich derselben„bedient habe. Ein Mann von gegründetem Ruhme und cdelcm„Bewußtseyn seiner Verdienste, erlaubt dem andern gern, seine„schwachen Bemühungen, ihm nachzuahmen, zeigen zu dürfen,„und wenn er auch gleich einsieht, daß er ihn nicht erreicht,„so verzeiht er ihm doch den Mangel an Kräften, und liebt„ihn wegen seines guten Willens. Dieser Gedanke ver-spricht mir eine freundschaftliche Aufnahme meiner Einfälle„von Ihnen.
„Es war mir genug, daß Herr Hausen mir sagte, daß„einige Berlinische Gelehrte sich über meinen Auszug aus der„allgemeinen Wclthistorie gewundert hätten, um die ganze Ar-„bcit wieder aufzugeben. Die Umstände, in welchen ich mich„befand, da sie mir angetragen wurde, nöthigten mich, eine„Sache zu unternehmen, bey der ich blos den Fleiß eines Tage-löhners anzuwenden brauchte. Allein, schon der Wink eines„einsichtsvollen Kmistrichtcrs zwingt mich zu crröthen, und lie-ber alles einzubüßen, als Vertrauen und Gunst der Männer,„gegen deren Urtheil ich nicht gleichgültig seyn kann.
/,Jch hoffe nun bald durch Bücher und andern Verrath„mich in den Stand zu setzen, ein Buch von der alten Stcin-„schnciderkunst zu verfertigen, wozu ich den Plan seit einigen„Zahren gemacht, und an dessen Ausführung mich die allhicr„herrschende Barbarey, und der Mangel an Hülfsmitteln„gehindert.