Druckschrift 
8 (1839)
Entstehung
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208
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Antiquarischer Briefe sieben und fünfzigster.

Der Stil, der oft mehr, als blos satyrisch ist!Es thut mir leid, wenn mein Stil irgendwo blos satyrischist. Meinem Vorsatze nach, soll er allezeit mehr als satyrischseyn. Und was soll er mehr seyn, als satyrisch? Treffend.

Der Ton, welcher an das Vadcmecum für Hr.Langen zu denken zwinget. Nun denn? Aber zu wes-sen Beschämung wird diese erzwungene Erinnerung gereichen?Zu meiner? Was kann ich dafür, daß sein Buch eben so kin-dische Schnitzer hat, als der Langische Horaz?

Kurz, von allen diesen Vorwürfen bleibt nichts, als höch-stens der Skrupel, ob es nicht besser gewesen wäre, etwas säu-berlicher mit dem Hrn. Klotz zu verfahren? Die Höflichkeit seydoch eine so artige Sache

Gewiß! denn sie ist eine so kleine!

Aber so artig, wie man will: die Höflichkeit ist keine Pflicht:und nicht höflich seyn, ist noch lange nicht, grob seyn. Hin-gegen, zum Besten der Mchrcrn, frcymüthig seyn, ist Pflicht;sogar es mit Gefahr seyn, darüber für ungesittet und bösartiggehalten zu werden, ist Pflicht.

Wenn ich Kunstrichter wäre, wenn ich mir getraute, dasKunstrichterschild aushengcn zu können: so würde meine Ton-leiter diese seyn. Gelinde und schmeichelnd gegen den Anfänger;mit Bewunderung zweifelnd, mit Zweifel bewundernd gegen denMeister; abschreckend und positiv gegen den Stümper; höhnischgegen den Prahler; und so bitter als möglich, gegen denCabalenmachcr.

Der Kunstrichtcr, der gegen alle nur einen Ton hat, hättebesser gar keinen. Und besonders der, der gegen alle nur höf-lich ist, ist im Grunde gegen die er höflich seyn könnte, grob.

Ucberhaupt verstehen sich auf das Raffinement der Höflich-keit, die höflichsten Herren am wenigsten. Einer von ihnensagte zu mir:aber Herr Klotz ist doch inmer so höflich gegen Siegewesen. Sogar seine Recension der antiquarischen Briefe istnoch so höflich!

Noch so höflich? Der Bauernstolz selbst, hätte sie nichtgröber und plumper abfassen können.