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Wie die Alten den Tod gebildet.
wenige Ausnahmen finden dürften. Diesen nehmlich, daß dieAlten die sinnliche Vorstellung, welche ein idealischcs Weseneinmal erhalten hatte, getreulich beybehielten. Denn ob derglei-chen Vorstellungen schon willkührlich sind, und ein jeder gleichesRecht hätte, sie so oder anders anzunehmen: so hielten es den-noch die Alten für gut und nothwendig, daß sich der Späteredieses Rechtes begebe, und dem ersten Erfinder folge. Die Ur-sache ist klar: ohne diese allgemeine Einförmigkeit, ist keine all-gemeine Erkenntlichkeit möglich.
Folglich auch, jene Ähnlichkeit des Todes mit dem Schlafevon den griechischen Artisten einmal angenommen, wird sie vonihnen, allem Vermuthen nach, auch immer seyn beobachtet wor-den. Sie zeigte sich ohnstrcitig an den Bildseulcn, welche beidediese Wesen zu Laccdämon hatten: denn sie erinnerten den Pau-sanias (*) an die Verbrüderung, welche Homer unter ihneneingeführet.
Welche Ähnlichkeit mit dem Schlafe aber läßt sich im ge-ringsten denken, wenn der Tod als ein bloßes Gerippe ihmzur Seite stand?
„Vielleicht, schrieb Winkclmann, war der Tod bey den„Einwohnern von Gadcs, dem heutigen Cadix, welche unter„allen Völkern die einzigen waren, die den Tod verehrten, also„gestaltet." — Als Gerippe nehmlich.
Doch Winkclmanu hatte zu diesem Vielleicht nicht den ge-ringsten Grund. Philostrat (^*) sagt blos von den Gaditanern,„daß sie die einzigen Menschen wären, welche dem Tode Päancsängen." Er erwähnt nicht einmal einer Bildscule, geschweigedaß er im geringsten vermuthen lasse, diese Bildscule habe einGerippe vorgestellt. Endlich, was würde uns auch hier dieVorstellung der Gaditancr angehen? Es ist von den symboli-schen Bildern der Griechen, nicht der Barbaren die Rede.
Ich erinnere beyläufig, daß ich die angezogenen Worte desPhilostrats, ^ocvcx^vv i<l,oT>ot «vA-puiireov 7r«t,«vt^civ?«c,
nicht mit Winkelmanncn Übersetzen möchte, „die Gaditancr wä-
(") I.aeonic. c-tp. XIIX. I>, 253.
(«) Allcgo. S, 83.
<"") Vim Apollo. IM. V. e. 4.