Druckschrift 
8 (1839)
Entstehung
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218
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Wie die Alten den Tod gebildet.

Er sahe einen jungen Genius mit umgestürzter Fackel, und der aus-drücklichen Ucbcrschrift Somno: aber auf einem Grabsteine beymBoifsard erblicken wir die nehmliche Figur, und die Ucbcr-schrift 8om»o Oreltil-a I?il!a läßt uns wegen der Deutung der-selben eben so wenig ungewiß seyn. Ohne Heb ersehnst kömmtsie eben daselbst noch oft vor: ja auf mehr als einem Grab-steine und Sarge kömmt sie doppelt vor. l^") Was kann aberin dieser vollkommen ähnlichen Verdoppelung, wenn das eineBild der Schlaf ist, das andere wohl schicklicher seyn, als derZwillingsbruder des Schlafes, der Tod?

Es ist zu verwundern, wie Altcrthumsforscher dieses nichtwissen, oder wenn sie es wußten, in ihren Auslegungen anzu-wenden vergessen konnten. Ich will hiervon nur einige Bey-spiele geben.

Vor allen fällt mir der marmorne Sarg bey , welchen Bcl-lori in seinen ^mii-snäis bekannt gemacht,«^") und von demletzten Schicksale des Menschen erkläret hat. Hier zeiget sichunter andern ein geflügelter Züngling, der in einer tiefsinnigenStellung, den linken Fuß über den rechten geschlagen, nebeneinem Leichname stehet, mit seiner Rechten und dem Haupteauf einer umgekehrten Fackel ruhet, die auf die Brust des Leich-names gcstützct ist, und in der Linken, die um die Fackel her-abgrcift, einen Kranz mit c^nem Schmetterlinge hält, (-j-) DieseFigur, sagt Bcllori, sey Amor, welcher die Fackel, das ist, dieAffekten, auf der Brust des verstorbenen Menschen auslösche.Und ich sage, diese Figur ist der Tod!

Nicht jeder geflügelte Knabe, oder Züngling, muß ein Amorseyn. Amor, und das Heer seiner Brüder, hatten diese Bil-dung mit mehrcrn geistigen Wesen gemein. Wie manche ausdem Geschlecht der Gcnii, wurden als Knaben vorgestellet! (1"!-)Und was hatte nicht seinen Genius? Zeder Ort; jeder Mensch;jede gesellschaftliche Verbindung des Menschen; jede Beschäftigung

(°) rovosiaiili, ?»Ne III. p. 4S.

(°°) ?arle V, p. 22. 23.

(°°°) 'I'sl>. I>XXIX.

(1) Man sche das Titelkupser.

('I-f) Larliiius .-ul Nulilii M>. I. v, »27. p- 121.