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Wie die Alten den Tod gebildet.
flehte der Dichter zu dem Schlafe; und Barth wollte, daß der Dich-ter das^uvon!« von sich selbst, nicht von dem Schlafe gesagt habe:
(ürimino huo merui juvcnis, plaoiäMmv äivum <^!o.Es sey, weil es zur Noth seyn könnte: aber der Grund ist dochganz nichtig. Der Schlaf war bey allen Dichtern eine jugend-liche Gottheit; er liebte eine von den Grazien, und Zuno, füreinen wichtigen Dienst, gab ihm diese Grazie zur Ehe. Gleich-wohl sollten ihn die Künstler als einen Greis gebildet haben?Das wäre von ihnen nicht zu glauben, wenn auch in keinemDenkmahle das Gegentheil mehr sichtbar wäre.
Doch nicht der Schlaf blos, wie wir gesehen, auch noch einzweyter Schlaf, der nichts anders als der Tod seyn kann, ist sowohlauf den unbekanntem Monumenten des Winkelmann, als aus denbekanntem des Boissard, gleich einem jungen Genius, mit umge-stürzter Fackel zu sehen. Ist der Tod dort ein junger Genius: war-um könnte ein junger Genius hier, nicht der Tod seyn ? Und mußer es nicht seyn, da ausser der umgestürzten Fackel, auch alle übrigeseiner Attributen die schönsten, rcdcnsten Attribute des Todes sind?
Was kann das Ende des Lebens deutlicher bezeichnen, alseine verloschene, umgestürzte Fackel? Wann dort der Schlaf,diese kurze Unterbrechung des Lebens, sich auf eine solche Fackelstützet: mit wie viel größcrm Rechte darf es der Tod?
Auch die Flügel kommen noch mit größcrm Rechte ihm, alsdem Schlafe, zu. Denn seine Ucbcrraschung ist noch plötzlicher,sein Ucbergang noch schneller.
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Und der Kranz in seiner Linken? Es ist der Todtcnkranz.Alle Leichen wurden bey Griechen und Römern bekränzt; mitKränzen ward die Leiche von den hinterlassenen Freunden bcwor-fcn; bekränzt wurden Scheiteihaufc und Urne und Grabmahl.
Endlich, der Schmetterling über diesem Kranze? Wer weisnicht, daß der Schmetterling das Bild der Seele, und besondersder von dem Leibe geschiedenen Seele, vorstellet?
(°) 1.1b. II. 8-U. I. V. 57. S8.
(") Litt'. I>!ttt!lii>Ui kui'»ii!U'UM Ii>i. IV. v. s.