Druckschrift 
8 (1839)
Entstehung
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Wie die Alten den Tod gebildet.

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Hierzu kömmt der ganze Stand der Figur, neben einemLeichnam, und gestützt auf diesen Leichnam. Welche Gottheit,welches höhere Wesen könnte und dürste diesen Stand haben:wenn es nicht der Tod selbst wäre? Ein todter Körper verun-reinigte, nach den Begriffen der Alten, alles, was ihm nahewar: und nicht allein die Menschen, welche ihn berührten odernur sahen; sondern auch die Götter selbst. Der Anblick einesTodten war schlechterdings keinem von ihnen vergönnt.

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sagt Diana, bey dem Euripidcs,(°) zu dem sterbenden Hippolyt.Za, um diesen Anblick zu vermeiden, mußten sie sich schon ent-fernen, sobald der Sterbende die letzten Athemzüge that. DennDiana fährt dort fort:

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und hiemit scheidet sie von ihrem Lieblinge. Ans eben diesemGrunde sagt auch Apoll, bey eben dem Dichter, (") daß er diegeliebte Wohnung des Admetus nun verlassen müßte, weil Äl-teste sich ihrem Ende nahe:

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Ich halte diesen Umstand, daß die Götter sich durch denAnblick eines Todten nicht verunreinigen durften, hier für sehrerheblich. Er ist ein zweyter Grund, warum es Amor nichtseyn kann, der bey dem Leichname steht: und zugleich ein Grundwider alle andere Götter; den einzigen Gott ausgenommen,welcher sich unmöglich durch Erblickung eines Todten verunrei-nigen konnte, den Tod selbst.

Oder meinet man, daß vielleicht doch noch Eine Gottheithiervon auszunchmcn seyn dürfte? Nehmlich der eigentliche Ge-nius, der eigentliche Schutzgeist des Menschen. Wäre es denn,könnte man sage», so etwas ungereimtes, daß der Genius desMenschen trauernd bey dem Körper stünde, durch dessen Erstar-rung er sich aus ewig von ihm trennen müssen? Doch wenndas schon nicht ungereimt wäre, so wäre es doch völlig wider

(°) Ilipiwl. v. 4437.(°°) ä,Ic. v. SS. S3.