Wie die Alte» den Tod gebildet.
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geflügelte» Knaben mit umgestürzten Fackeln, den Schlaf nndden Tod bedeuten sollten: so erklärte er dennoch einen solchenKnaben, der ans dem bekannten Conclamationsmarmor in demAntiquitätcnsaalc zu Paris stehet, weder für den einen, nochfür den andern; sondern für einen Genius, der durch seine um-gestürzte Fackel anzeige, daß die darauf vorgestellte verblichenePerson, in ihrer schönsten Blüthe gestorben sey, und daßAmor, mit seinem Reiche, sich über diesen Tod betrübe.^) Selbstals Dom Martin ihm das erstere Vorgeben mit vieler Bitterkeitstreitig gemacht hatte, und er den nehmlichen Marmor in seinMuseum Vcroncnse einschaltete: sagt er zu dessen näherer Be-stätigung schlechterdings nichts, nnd läßt die Figuren der IMstenTafel, die er dazu hätte brauchen können, ganz ohne alleErklärung.
Dieser Dom Martin aber, welcher die zwey Gcnii mit um-gestürzten Fackeln auf alten Grabsteinen und Urnen, für denGenius des Mannes und den Genius der Gattinn desselben,oder für den doppelten Schntzgcist wollte gehalten wissen, den,nach der Meinung einiger Alten, ein jeder Mensch habe, ver-dienet kaum widerlegt zu werden. Er hätte wissen können undsollen, daß wenigstens die eine dieser Figuren, zu Folge derausdrücklichen alten Überschrift, schlechterdings der Schlaf sey;und eben gerathe ich, glücklicher Weise, auf eine Stelle unsersWinkclmanns, in der er die Unwissenheit dieses Franzosen be-reits gerügt hat.
„ Es fällt mir ein, schreibt Winkclmann, daß ein andc-„rcr Franzos, Marun, ein Mensch, welcher sich erkühnen kön-„nen zu sagen, Grotius habe die Sicbcnzig Dollmctschcr nicht„verstanden, entscheidend und kühn vorgicbt, die beiden Gcnii„an den alten Urnen könnten nicht den Schlaf und den Tod„bedeuten; und der Altar, an welchem sie in dieser Bcdcutnng„mit der alten Überschrift des Schlafes und des Todes stehen,„ist öffentlich in dem Hofe des Pallastcs Albani aufgestellt." Ichhätte mich dieser Stelle oben (S. 217.) erinnern sollen: denn
(°) Lxplie. lw tlivers Alo»uili<!ittK siiißuliei» yui vi>c r»>ip«rl », I» N>.lixiv» >Ies plus !mc'»!»s peuples, p!tr le It. I>. vom k p, gg.(") Vorrede zur Ecsckickie der Kunst S, XV?.