Druckschrift 
8 (1839)
Entstehung
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Andreas ScultetuS .

ES geschieht nach diesem Muster sogar, daß er von demStande der Erniedrigung selbst ausgehen zu müssen, glaubet.

Wie aber bey den AllenDen Führern, welche sich im Felde steif gehalten,Nachdem sie überkränzt, mit Schimmeln trinmphirt,Der Schauplatz um und um mit Flecken ward schattirt,Wo ihre Faust gekämpft: so führ ich auch im SchildeDes Höchsten Niedrigkeit in meiner Versen BildeHauptsächlich darzuthun.

Er zielet aus die Verkleinerungen und Spottlicder, unter wel-chen der gemeine Soldat seinem triumphirenden Feldherrn folgte.Die Wendung ist sonderbar: aber die Bilder, zu welchen sieGelegenheit giebt, sind größten Theils vortrefflich. UrtheilenSie nach der Frage, mit welcher er ausbricht.

wo blühte seine Pracht,Als Christus eingestallt die Mutter angelacht?

Im Lächeln blos allein und in den PcrlenzährenOder lieber nach dem Gcnmhlde der Mutter am Kreutze.

Wie JEsus in der Luft die Arme weit gereckt,

Und sich, die ganze Welt zu fassen, ausgestreckt.

Wie seine Mutter kocht, die zwischen Furcht und Zagen

Ihr aufgeschwelltes Leid mit Kummer kann ertragen;

Die tausend Tode stirbt, und tausend Tode lebt.

Ihr Herze pocht und schwürt; ihr rechtes Herze webt

In diesem, welches stirbt. Die Thränen siiessen dichte;

Kein Tropfen Menschenblut erregt sich im Gesichte,

Als welcher obenher von GOttes Wunden fällt,

Und ihren Mutterleib nach Donners Art erschällt.Denn ich überspringe diesen ganzen Ort, ob er gleich bey wei-ten den größten Theil des Gedichtes ausmacht; um Ihnen nocheiniges von den Schilderungen des Vrunkes und Jubels, mitwelchen nun endlich der Dichter die Auferstehung Christi vonder gesammten Natur feycrn läßt, niederschreiben zu können.Hier kommen Stellen vor, die des größten Dichters wür-dig sind. Suchen Sie mir eine, in allen Dichtern seinesJahrhunderts, die mit folgender verglichen zu werden ver-dienet!