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Ich lebe eine sehr angenehme Stunde, indem ich mich fürSie mit meinem alten poetischen Findlinge — und zugleich mitdem Andenken eines Freundes beschäftige, dessen geringste Ei-genschaften der Dichter und der Soldat waren. Aber dem ohn-geachtct erfahren Sie ißt von jenem weiter nichts. Ich mußerst hören, welche Aufnahme er, auf diese Kundschaft, sichvon Zhncn zu versprechen hat.
II.
Ich freue mich, daß ich so viel meines altvaterischen Ge-schmacks in Zhncn finde. — Und nun sollen Sie auch alleswissen und alles haben, was ich von meinem Dichter weiß undbesitze. — Aber wenn die Folge dem Anfange nicht entspricht —wer kann wider das Schicksal? —
Es waren zehn Zahre, und drüber vergangen, und ich warauf gutem Wege, den ganzen Andreas Scultetus zu vergessen:als ich nach Schlesien kam. Dort in seinem Vaterlande, seinerGeburtsstadt so nahe, — denn Sie werden bemerkt haben, daßer sich auf dem Titel seiner Ocstcrlichcn Trimnphposaunc einenZSunczlauer nennet — Wächte die Ncugicrdc, ihn näher kennenzu lernen, um so natürlicher auf, je wahrscheinlicher ich sie dabefriediget zu sehen hoffen durste. Die Schlcsicr, (und ich liebesie auch darum,) sind noch große Verehrer derjenigen ihrerDichter des vorigen und itzigcn Jahrhunderts, durch die es fastzu einem allgemeinen Vorurthcile eines guten Dichters inDeutschland geworden war, ein Schlcsicr gebohrcn zu seyn.Aber bey wcm ich mich auch von ihnen nach einem AndreasScultetus erkundigte, der des Opitz eigentlicher Landsmann,und nach meinem Bcdünkcn der würdigste Zögling seiner Musegewesen sey; die alle gestanden, daß sie seinen Namen vonmir zuerst hörten. Selbst Gelehrte, die aus der Litteraturge-schichte ihres Landes sich ein eigenes Studium gemacht hatten, —(Ich muß Ihnen hier ein Paar würdige Freunde, die HerrenArlctins und Älose in BrcSlau nennen, deren ersterer sogareinen reichen Schatz von Opitisnis besitzt, die entweder noch nie,oder wenigstens nicht in den Sammlungen der OpitzischcnWerke gedruckt worden) — selbst diese Männer hörten die