430
Vermischte Schriften. Erster Theil.
mcrkungen macht. (°) Aber auch er ist weit entfernt, diese Theilefür nothwendig zu halten, indem er gleichfalls eine einfachereGattung erkennet, welche sie nicht habe, und überhaupt aus ihnenweder für die Eigenschaften, noch für die individuelle Verschieden-heit des Epigramms das geringste zu folgern verstanden hat.
Daneux sagt ausdrücklich: „Das Epigramm hat nothwen-diger Weise zwey Theile: der erste ist der Vortrag des Sub-jekts, der Sache, die den Gedanken hervorgebracht oder ver-anlasset hat; und der andere der Gedanke selbst, welchen man„die Spitze nennt, oder dasjenige was den Leser reizt, was„ihn intcrcssirct." Gleichwohl läßt er unter seinen Exempelnauch solche mit unterlaufen, die diese zwey Theile schlechterdingsnicht haben, deren Erwähnung ohnedem in seinem ganzen übri-gen Unterrichte völlig unfruchtbar bleibet. Folgende vier Zeilendes Pelisson z. E. '
(ii'.incleui', j'avoir, renoiumee,
^.mitio, plkiilu' A visu,
u'eK c^ue veiit, uiiv lumäo:
?our inilivx illi'v, tout n'<.'5t, rieo.mögen ihm immerhin einen noch so interessanten Gedanken ent-halten. Aber wo ist die Veranlassung dieses Gedankens? Woist der einzelne besondere Fall, — denn ein solcher muß dieVeranlassung seyn — bey welchem der Dichter daraus gekom-men ist, und seine Leser darauf führet? Hier ist nichts als derbloße interessante Gedanke, bloß der Eine Theil: und wenn,nach ihm selbst, das Epigramm nothwendiger Weise zweyTheile haben muß, so können diese, so wie alle ihnen ähnlicheZeilen, unmöglich ein Epigramm heißen. — Zum Unglück istes nicht bloß ein übclgcwähltcs Exempel, woraus ich dem Zöat-teux hier einen Vorwurf mache. Sondern das Schlimmste ist,daß aus diesem Exempel zugleich das Fehlerhafte seiner Erklä-rung des Epigramms erhellet, „nach welcher es ein interessanter„Gedanke seyn soll, der glücklich und in wenig Worten vorgc-
(°) <7n/>. 13, «?e />«?'/iiu5 e/>'A°?'»»ima<!L. Sunt issitur piiNss epi-xrüinmiUis, «Zu-e »mn<?r» «lunlüxiU, inllxnes prlmaiiiv, expasilia rei, <k7<5<melusin e>,iAri>mm!Ui» — l» ilio xenere primo M>nl tl-Uuii»U!> lio>i>Ueii>A »»iusmvitt epixiümmillis. —