Aiimcrkiuigcii iibcr das öpi^ranim.
43S
mehr davon wußten? Sollc» wir glauben, daß sie vollständi-ger und bestimmter nicht antworten wollen ^ oder nicht antwor-ten können? und daß eine vierte höhere Macht im Spiele ge-wesen, welche den Erfolg so zu lenken gewußt, daß keiner zumLügner werden dürfen? Sollten aber gar nur die Götter alsglückliche Errathcr hier aufgeführt werden: wie viel stiinrcichcrund lehrreicher ist sodann jenes Histörchen, — im Don <!)m'-yote, wo ich mich recht erinnere — von den zwey Brüdernund Weinkostcrn? welches ich wahrlich lieber erfunden, als einganzes Hundert von jencrlcy Räthseln, auch in den schönstenVersen, gemacht haben möchte.
Das Gegentheil von solchen, zu aller moralischen Anwen-dung ungeschickten, kleinen Erzchlungcn sind diejenigen, welchezwar auch ohne alle Betrachtung und Folgerung vorgetragenwerden, aber an und für sich selbst eine allgemeine Wahrheitso anschauend enthalten, daß es nur Ucbcrfluß gewesen wäre,sie noch mit ausdrücklichen Worten hinzuzufügen. Von dieserArt ist folgende, bey dem Ausonius (°);Hiolaui-o iuvvuto, c^ui Ilmiua nioi'li8 iuibat,I^uit ovims lu^ueum, czuo pei'Itni'us erst.
l^ui, yuoll toi'i-u; al»(li<Ieral, non i'Cjiperlt aurum,<^nem la^uoum iuvenit, uvxuit et peiüt:wovon das griechische Original in der Anthologie zu finden: oderans eben dieser Anthologie, die von mchrcrn Dichtern daselbstvorgetragene Geschichte vom Lahmen und Blinden^"):'^vepcx ^tiro^vtov i^irep i^cuT'otci Xt?r«v^»z?'H^L ?ro<s«? ^z>'i^c/«^, o^.l^.^«?'« ^^cr<x^x>>oc.
Wer ist so blödsinnig, daß er die großen Wahrheiten, vonwelchen diese Erzchlungcn Beyspiele sind, nicht mit ihnen zu-gleich denke? Und was auf eine so vorzügliche Art einen Sinnin sich schließt, das wird doch wohl ein Sinngedicht heiße» können?
Doch auch das nicht. Und warum sollte es ein Sinngedichtheißen, wenn es etwas weit besseres heißen kann? Mit einemWorte: es ist ein Apolog, eine wahre äsopische Fabel: denn die ge-drungene Kürze, mit welcher sie vorgetragen ist, kann ihr Wesen
(°) 21.
(°°) /. c»/>. 4.