Anmerkmia.cn libcr das Epigramin.
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chcn der Dichter nichts, als ein bloßer Wicdcrcrzchlcr zu seynscheinet. Denn es bleiben noch immer auch wahre Begebenhei-ten genug übrig, die entweder schon von sich selbst den völligenGang des Sinngedichts haben, oder denen dieser Gang dochleicht durch eine kleine Wendung noch vollkommncr zu geben ste-het. So fand unser Rleist das heroische Beyspiel, mit welchemArria ihrem Manne vorgicng, in seiner genauesten historischenWahrheit, mit Recht sür hinlänglich, ein schönes Sinngedichtabzugeben.
Als Pätus auf Befehl des Kaysers sterben sollte,
Und ungern einen Tod sich selber wählen wollte:
Durchstach sich Arria. Mit heiterem Eesicht
Eab sie den Dolch dem Mann, und sprach: Es schmerzet nicht.Martial hingegen glaubte, daß das erhabene „Es schmcrzctnicht" noch einer Verschönerung fähig sey, und ohne lange dieseVerschönerung auf seine eigne Rechnung zu setzen, legte er sieder Arria selbst in den Mund:(")
Lasta luo Alacliuin cmn trälleret ^Viria ?seto,Huern äs vilcerilius iraxerst ipla luis:
8i lsu» liücs, vulmis, ksuoä keci, non 6o1et, i»«^uit:8ed c^iiocl in lade«, Iioo mlln, ?!«te, 6vlet.Ohne Zweifel mochte dem Martial das bloße „non clulet" zumannhaft, zu rauh vorkommen; und er wollte das zärtlicheWeib in der Verächtcrinn des Todes mehr durchschimmern las-sen. Ich wage es nicht, zwischen beiden Dichtern zu entscheiden:da ich ohnedem damit nur ein Beyspiel geben wollen, wie diewahren Begebenheiten aussehen müssen, denen zum Sinngedichtenichts, als eine glückliche Vcrsifikation fehlet, und wie sehr auchin diesen der crsindsame Geist des Dichters noch geschäftig seynkann, ohne die historische Wahrheit zu verfälschen. —
(3.)
Nicht genug aber, daß nach meiner Erklärung das Sinn-gedicht sich von mehr als einer Art kleiner Gedichte zuvcrläßigcrunterscheiden läßt, als nach den sonst gewöhnlichen Erklärungengeschehen kann: es lassen sich auch aus eben dieser Erklärung
(°) l-w. I. ei>. l4.