Druckschrift 
8 (1839)
Entstehung
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452
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Vermischte Schriften, erster Theil.

Den Schreiber für den König nahm,Und nach vollbrachter That erst zur Erkenntniß kam,Da wußt er der Gefahr den Vortheil abzuzwingen,Und, durch die Schande nicht verzagt,Das was das Laster ihm versagt,Der Tugend selber abzubringen:ör machte, daß der Haß sich in Vcrwundrung wandt,Verbrennt, cutwafnete sein und des Feindes Hand;Und weil die edle Wuth man ihm zur Tugend zählte,erreicht' er seinen Zweck, indem er ihn verfehlte."Mich dünkt, der Dichter hätte mit der achten Zeile,der Tu-gend selber abzubringen" aufhören sollen; wenigstens mit demGedanken, den sie enthält. Denn alles was folgt, ist nurschleppende Umschreibung dieses Gedankens; mit einer Antithesebeschlossen, die weder wahr ist, noch, wenn sie auch wahr wäre,hierher gehöret. Sie ist nicht wahr: denn Skävola erreichteseinen Zweck nicht, indem er ihn verfehlte, sondern nachdemer ihn verfehlt hatte; nicht durch den Fehler, sondern durchdas, was er darauf folgen ließ. Sie gehöret nicht hierher,wenn sie von Seiten der Wahrheit auch schon noch zu recht-fertigen wäre: denn sie zeigt uns die ganze Handlung nunmehraus einem völlig verschiedenen Gesichtspunkte, als wir sie vierZeilen vorher sehen; dort wird sie uns als eine außerordent-liche Anstrengung von Tugend angepriesen; hier bewundern wirsie als das Werk eines glücklichen Zufalls. Der doppelte Ge-sichtspunkt aber ist in der Poesie kein geringerer Fehler, als inder Pcrspektiv.

3. Wenn endlich die beiden Theile des Sinngedichts zu-gleich, dem Denkmahle und der Aufschrift zugleich, entsprechensollen: so wird auch das Verhältniß, welches sich zwischen je-nen befindet, dem Verhältnisse entsprechen müssen, welchesdiese unter sich haben. Zch will sagen; so wie ich bey Er-blickung eines Denkmahls zwar nicht den Inhalt der Aufschrift,wohl aber den Ton derselben aus dem Denkmahle errathenkann; wie ich kühnlich vermuthen darf, daß ein Denkmahl,welches traurige Ideen erregt, nicht eine lustige oder lächerlicheAufschrift führen werde, oder umgekehrt; eben so muß auch die