Amiicrkmigc» über das Epigramm.
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Denn wen» die Zweydeutigkeit etwas mehr als ei» kahles Wort-spiel ist, so ist von dem doppelten Sinne, den sie hat, dereine wenigstens wahr, und der andere, wenn er falsch ist, dientebloß zum Uebcrgange auf jenen. Und was dienet uns in derFolge unserer Zdccn nicht alles, um von einer auf die andereüberzugehen! Wir lassen uns von der Aehnlichkcit der Wortewohl in wichtigen Dingen leiten, und wollten bey einem Scherzenicht damit vorlieb nehmen? — Doch was läßt sich hiervonsagen, was nicht schon hundertmal gesagt wäre? —
Ich schließe also diese allgemeinen Anmerkungen über dasEpigramm; und da ich einmal in Anführung des Cicero bin,so schließe ich sie mit einer Stelle aus ihm, die ihnen statt ei-nes Passes bei denjenigen Lesern dienen kann, welche dergleichenUntersuchungen über Werke des Witzes insgesammt nicht lieben,und ihnen kühnlich allen Nutzen absprechen, weil sie einen ins-besondere nicht haben können ("). Lgo in Ins piMeeptis ksnevim, et Nano utilitatem osfe arliitror, non ut a,I reporioi,<lum,«juiil (licsmus, »rtv llucsmur, teil ut os, «juiv ristura, «zuse ttucllo,HUW oxeicitationv ooiil'v«juinn»', »ut rocta vt5v eonLllanius, sutzirava iotelliFamus, eum, «zuo rvseieiiüit tint, lUilicerimus.
II.
C a t u l l.
(t.)
Es kommen unter den kleinern Gedichten des Latulis aller-dings verschiedene vor, welche den völligen Gang des Sinnge-dichts haben.
Allein darum alle seine kleinern Gedichte zu Epigrammenzu machen, da er selbst diesen Namen ihnen nicht gegeben; vonihnen, ohne Unterschied, eine besondere Gattung des Epigrammszu abstrahircn, und es als ein Problem auszuwerfen, ob diesecatullische, wie man sie nennet, feinere Gattung, der martiali-schen spitzfindigen Gattung nicht weit vorzuziehen sey: das istmir immer sehr sonderbar vorgekommen.
Die allermeisten von den kürzern Gedichten des Catulls habenschlechterdings mit dem Sinngedichte nichts gemein, als die Kürze.
(°) l.. c. c»t>. S7.