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Vermischte Schriften, erster Theil.
Es sind kleine giftige oder obscöne Tiraden, die weder Erwartungerwecken, noch Erwartung befriedigen; die mehr, um gegenwär-tige dringende Empfindungen zu äußern, hingeworfen, als mitAbsicht auf eine besondere Dichtungsart ausgearbeitet sind. WerZ. E. ein 8slve, noo minlmo puella nsio("), ein OitertMmvkomuli oepotuw(^), ein (^neli, I^osbia aottra, I^osdiafür Sinngedichte halten kann: der muß Lust haben, selbst aufdie wohlfeilste Art ein epigrammatischer Dichter werden zu wollen.So gar sind die nie genug gepriesenen kleinen Stücke, dergleichensä pliatellum, <Ie psttere mortao I^vsbiss, und andere, die sounzähligmal nachgeahmet und übersetzt worden, dennoch nichtsweniger als Sinngedichte. Aber ich gebe es zu, daß sie etwasbesseres sind: und ich wüßte gar nicht, warum z. E. letzteres,auf den todten Sperling seiner Lesbia, welches jetzt unter unsdurch eine vortreffliche Uebersctzung und durch eine eben so glück-liche Nachahmung, in aller Munde ist, ein Epigramm heißenmüßte; da es die schönste Ka-ma ihrer Art ist, die uns ausdem Alterthume übrig geblieben.
Wenn aber dem ohngeachtct sich Martial nach dem Catullsoll gebildet haben; wenn er selbst, ihn für seinen einzigen Mei-ster erkennet s-j-): so ist dieses entweder nur von dem naiven Aus-drucke, und andern allgemeinen Eigenschaften des Dichters, oderdoch nur von der geringsten Anzahl der kleinern catullischcn Ge-dichte zu verstehen, von welchen es allein möglich war, daßMartial sein Ideal des Sinngedichts abstrahiret haben konnte.Von solchen, z. E.(tt)
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