464
Nermischtc Schriften. Erster Theil.
Es ist nicht eigentlich bekannt, wer es gewesen, der, beyallmäliger Herstellung der schönen Wissenschaften in dem fünf-zehnten Jahrhunderte, unsern Dichter wieder zuerst an das Lichtgebracht hat. Aber es giebt ein Epigramm in ziemlich barba-rischem Latcine, und eben so räthsclhaftcn Ausdrücken, das be-stimmt gewesen, uns das Andenken dieses Mannes, und dienähern Umstände seines glücklichen Fundes, aufzubehalten. Das-selbe stehet vor mehr als einer der neuern Handschriften desCatnlls, die von dem ersten wieder aufgefundenen Manuskriptegenommen zu seyn scheinen. Der jüngere Skaliger machte es,zu Anfange seines Kommentars über den Dichter, bekannt; woes so lautet:
pati'iam recloo longls a linibu8 exul.
lükmls mel reclitus compatriot» kuit.8eilicet a t^slamis tiüiuit cui krane!» nomen:
<)uihue uotat eurtuln proeteieunlis iter.<^uo liest inZeiiio vettrum revoeatv Lstiiilum,
^uoius tud raoillo claula pax^rus erst.
So viel versteht man gleich, daß das Buch selbst, oder viel-mehr der Dichter selbst, redend eingeführet wird, um uns zusagen, durch wen, und von wannen, er aus dem Elende wiederin sein Vaterland zurückgekommen sey. Auch dieses crgicbt sichsogleich, daß solches durch einen Landsmann von ihm, durcheinen Veroneser also, und aus einer sehr entfernten Gegendgeschehen sey. Wenn nun Skaligcr bloß hätte vermuthen wol?len, daß diese entfernte Gegend vielleicht Frankreich gewesen sey:so möchte es hingehen. Allein er behauptet gerade zu, daß siees wirklich gewesen, und will damit nichts mehr behaupten, alsausdrücklich in dem Epigramme selbst stehe. In (Zalliis so «zumreveritlo illo iplo, hui putilieavit, opiFismmato teÜstus vK.Gleichwohl ist es offenbar, daß die ersten zwey Zeilen diesesnicht besagen, und daß unter dem lonZIs a linidus eben so wohlDeutschland , und jedes andere Land, verstanden werden kann,als Frankreich. Zwar wird Frankreichs in der dritten Zeilegedacht: aber im geringsten nicht, um damit das Land anzuge-ben, wo zeither Catull im Staube und in der Dunkelheit ge-legen; sondern bloß, um ans der Sprache dieses Landes ein