Druckschrift 
8 (1839)
Entstehung
Seite
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Martial.

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haben können, der Bccifcrung eines ehrlichen Mannes nichtsehr würdig.

2. Aber min wollte ich auch, daß es zur Rechtfertigungdes Martials keiner wcitcrn Ausflucht bedürfe. Und doch be-darf es noch einer sehr großen, damit ihm auch nicht diejeni-gen Epigramme zur Last fallen, in welchen er offenbar nichttadelt und spottet, sondern von sich selbst redet, für sich selbstwünschet und fodcrt. Was sich für diese sagen ließe, wennes darauf abgesehen wäre, den Martial von dem Verderbnisseseiner Zeit so wenig als möglich angesteckt zu zeigen, wäre in-deß vielleicht folgendes.

Es ist falsch, daß der epigrammatische Dichter alles, waser in der ersten Person sagt, von seiner eigenen Person ver-standen wissen will. Kürze und Rundung, welches so noth-wendige Eigenschaften seiner Dichtungsart sind, nöthigen ihnöfters, in der ersten Person etwas vorzutragen, woran wedersein Herz noch sein Verstand Theil nimmt. Daß dieses auchdem Martialc begegnet sey, daß auch Martial hieraus sich keinBedenken gemacht habe, ist sehr glaublich, und ein unwider-sprcchliches Beyspiel haben wir an dem sechsten Epigramme desersten Buchs.

Do tilü iiaumaoluam, tu iliis ^»N'ammtita nokis:

Vis puto eum liliro, AliN've, naim'cz >>io.Wer ist hier die erste Person? der Dichter? Nichts weniger:der Dichter ist vielmehr gerade der, mit welchem jene erste Per-son spricht. Der Kayscr Domirianus selbst ist cS, welchenMartial so redend einführet, ohne uns weder in dem Gedichtenoch in der Aufschrift den geringsten Wink davon zu geben.Was er also hier unterließ, warum könnte er es auch nichtöfterer unterlassen haben ? Warum könnte nicht in mehrcrn Epi-grammen, nicht Martial selbst, sondern ein Freund und Bekann-ter desselben sprechen?

Martial bekennt ohnedem, tnß er nicht immer aus eigenerWillkühr gedichtet. Er ließ sich auch wohl den Gegenstand zueinem Epigramme aufgeben; denn er beklagt sich gegen einengewissen Cacilian, daß er ihm so ungeschickte Gegenstände vor-