Martial.
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die Fran des XNarrials, Hat Martial, während seines vierund dreyßigjahrigcn Aufcnlhalts zu Rom , eine Frau gehabt?oder hat er keine gehabt? Von welcher Sorte war sie? undwie lebte er mit ihr? — Wollen wir hören, was er alles inder ersten Person hiervon meldet?
Allerdings hat er zu Rom eine Frau gehabt: sagen dieAusleger. Denn als er von dem Kayser das lus timm I!b<zio-rum erhielt, welches in gewissen bürgerlichen Vorzügen bestand,deren sich eigentlich nur diejenigen Römer zu erfreuen hatten,welche Natcr von drey Kindern waren: so machte er an seineFrau folgendes Epigramm (°).
^-Uoriiin milü ju8 tilum roZanti
Hluuu'um nretium clecllt uiearuin,
8olus c^ui notoiat. Valol^is uxor!
?^on clvlivt Domino neriie munus.Ein sehr verbindliches Kompliment! Doch eine gute Frau ver-stehet Spaß, und weiß wohl, daß man so was derjenigen ge-rade am ersten sagt, die man am ungernsten verlieren würde.Gleichwohl hat es Gelehrte gegeben, die diesen Spaß für vol-len Ernst aufgenommen. Oder vielmehr ich finde, daß es auchnicht einen einzigen gegeben, der ihn nicht für Ernst aufgenom-men. Sie sind nur unter sich ungewiß, wie der Dichter dasvalodls uxor eigentlich verstanden habe. Ob er bloß damit sa-gen wollen: „was bekümmere ich mich nun viel um dich?" Oderob er ihr die völlige Ehescheidung damit angekündiget? Oder ober ihr gar damit den Tod gewünscht wenn sie nicht selbstschon so klug gewesen, sich dazu zu entschließen?
So wäre denn kein Viertes möglich? Wie gleichwohl, wennValodls uxor überhaupt nur heißen sollte: „Was bedarf ichmm einer Frau? wozu soll mir nun eine Frau?" Mich dünkt,die Worte leiden diesen Sinn: und beweisen zu können glaubeich, daß das lus tiium lilioioruiu auch wirklich Unvcrchlichtcnertheilet worden.
Aber freylich, Martial gedenkt seiner Frau noch weiter. Er
(°) I.ili. II. ep. 92.
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